Nazis rechts liegen lassen

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Aufgeschnappt beim Kabarettisten Florian Schröder letzten Donnerstag bei „Nuhr im Ersten“:

[…] Jetzt sitzen sie alle wieder in den Talk Shows und haben Verständnis: ‚Das sind ja nicht alles Nazis, die da AfD gewählt haben. Das sind einfach auch Menschen, die das Gefühl haben, dass sie ihre Meinung nicht mehr sagen dürfen‘.

 

Da nur mal an dieser Stelle eine Idee, ein Vorschlag:
Vielleicht sollten wir einfach anerkennen, dass wir hier in Deutschland je nach Region zwischen 15 und 25 Prozent Rassisten haben.
Und wir sollten sie auch so benennen.
Und nicht permanent entschuldigen.

 

Und natürlich haben die Menschen nicht alle zwangsläufig selbst rassistische Überzeugungen, aber sie werden in dem Moment zu Rassisten, in dem sie Leuten wie Höcke eine Stimme geben und sie wählen.

 

Deswegen sage ich: Lasst uns doch aufhören, diese Menschen wie Kinder zu behandeln, sie zu infantilisieren und jeden Abend zu ihnen hinzugehen und zu sagen ‚Die Gespenster, vor denen Ihr Angst habt in Eurem Kinderzimmer – die sind gar nicht da!‘ Jahrelang haben wie jetzt ihre Kinderzimmer durchleuchtet, sind `reingegangen mit den Taschenlampen, haben alle Winkel geleuchtet und gesagt ‚Guck‘ mal, die Gespenster sind nicht da‘, sind wieder `raus gegangen – und am nächsten Abend kamen sie wieder, dass sie Angst haben vor ihren Gespenstern. Aber es GIBT die Gespenster nicht!

 

Deshalb sage ich: Kümmern wir uns vielleicht in Zukunft um die 75 bis 85 Prozent in Deutschland, die NICHT AfD wählen, aber oft dieselben Probleme haben, egal ob in Riesa oder in Castrop-Rauxel.
Menschen, die weder Internet haben noch Bahnhöfe, weil man auf dem Land in Deutschland längst sagt ‚Wozu brauchen die Menschen auf dem Land Internet – dass kein Zug kommt weil kein Bahnhof da ist, das sehen sie doch auch so!‘

 

Und um genau diese Menschen kümmern wir uns. Diejenigen, die wissen, dass Nazis Wählen noch nie eine Lösung war.
Und die richtigen Nazis lassen wir einfach rechts liegen.
Punkt.

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Und recht hat er: Den Nichtsnutzen von AfD und ihrem Anhang ist schon viel zu lange und viel zu oft mit Gehör und Verständnis begegnet worden.

Die Entwicklung der letzten Wahlen hat gezeigt, dass das nicht hilft.

Also setzen wir unsere Energie lieber darauf, jenen zuzuhören und zu helfen, die ebenfalls Probleme haben, ihr Heil (hihi .. Wortwitz-Bonus) aber nicht in der Wahl von Rassisten und Faschisten sehen.

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4 Antworten auf Nazis rechts liegen lassen

  • Ich unterschreibe jedes Wort, denn wir haben zwar keine AfD, aber auch genügend Arschlöcher fom Dienst … sie nennen sich nur anders, weil ihre braunen Mäntelchen zwei Seiten haben und die andere Seite ist Blau und stinkt nur, wenn man in die Nähe kommt …

    • Ja, die Nazis und Faschisten oder generell Spieler von ganz rechts außen kommen überall wieder, wohin man schaut.

      Eine beunruhigende Entwicklung.

      Unsere Eltern haben früher oft „Euch geht es wohl zu gut!“ gesagt, wenn wir Kiddies über die Stränge geschlagen haben.

      Ich glaube, dass das in der Tat eine der Ursachen dafür ist, dass immer mehr Kräfte sich von einem gemeinsamen Europa und/oder einer gemeinsamen Welt abwenden wollen: Es geht uns zu gut!

      Die wissen alle nicht mehr, welche Schrecken Kriege mit sich bringen.

      Was es heisst, wenn man als Land auf sich alleine gestellt ist.

      Dabei sind diese vielen Abgrenzungen gar nicht mehr möglich, weil die internationalen Verwebungen viel zu intensiv sind.

      Und die vielen Menschen, die aus Unzufriedenheit heraus ihre Stimmen an Faschist geben … sind nach meinem Dafürhalten einfach nur dumme, neid- und hasserfüllte Taugenichts, im wahrsten Sinne des Wortes.

      Wir sind denen zu lange mit Nachsicht und Verständnis begegnet. Die Entwicklung der Wählerstimmen zugunsten der AfD zeigt es in Deutschland sehr eindrucksvoll, wie „erfolgreich“ das gewesen ist.

      Nein, kümmern wir uns um die zweifelsohne bestehenden vielen Probleme.

      Und vielleicht kommen als Nebenprodukt dann auch einige der Nichtsnutze wieder zu Verstand.

      • Es wäre nicht das Dümmste, wenn man sich mal um die Menschen daheim kümmert, ihnen die Sorge um die Zukunft nimmt und dafür sorgt, dass sie wenigstens so viel zum Leben haben, wie man den „Ausländern“ in den Rachen schiebt, wobei als „Ausländer“ diejenigen bezeichnet werden, die nicht ins Sozialsystem eingezahlt haben und trotzdem aus dem Topf Geld erhalten und zwar mehr als es z. B. ein Mindestpensionist nach 45 Jahren Arbeitsleistung erhält. Und ich weiss, was es heißt, wenn du plötzlich nach der jahrzehntelang versprochenen 80% deines Letztgehalts auf Grund von politischen Entscheidungen nur mehr 46% erhältst. Wieviel man in der Brieftasche hat, kann sich jeder selbst ausrechnen. Unsere Mindestrenten liegen bei 860 €, die Migrantenhilfe beträgt 1300 €. Ich habe keinen Grund zu jammern, aber viele meiner Altersgenossen sind darüber mehr als nur erbost und sie zählen zur neuen Armutsgesellschaft.
        Wenn bei uns das Mindestgehalt bei 1300 € liegt und du bekommst nur mehr Jobs in Teilzeit und über Leiharbeitsfirmen, die an diesen 1300 € auch noch mitverdienen, so dass dir am Monatsende de facto 900 € am Konto bleiben, dann darf man sich nicht wundern, dass hier Nazi-Potential heranwächst. Aber nicht, weil wir alle Nazis wären, sondern weil wir uns im eigenen Land gegenüber den Zuwanderern (und hier sind keine Asylanten gemeint, sondern Wirtschaftsflüchtlinge und billige Arbeitskräfte aus dem Osten) benachteiligt fühlen.
        Wenn du in Wien auf eine Baustelle gehst, dann arbeiten dort die armen Schweine von der Slowakei bis Georgien für Baufirmen, die als Billigstbieter spätestens nach Fertigstellung eines Baus Insolvenz anmelden. Wer dabei auf der Strecke bleibt, kann man sich ausrechnen.
        Das sind nur ganz wenige Möglichkeiten, wie man arbeitende Menschen in die Fänge des braunen Netzwerks jagt UND das sind Fälle, die auch in meinem Dunstkreis und in meiner Familie durchaus aktuell sind.
        Ich bin ganz deiner Meinung, dass wir zuerst die Entwicklung stoppen müssen und ein Bewusstsein für uns selbst zeigen müssen. Aber solange wir hier keinen Respekt vor uns und unseren Mitmenschen lehren, der Lehrer, die Eltern, der Staat, keine Macht zur Durchsetzung von gesellschaftlichen Notwendigkeiten haben, solange werden Sekten, Gruppierungen, Parteien von unzufriedenen Menschen Zulauf erhalten. Das war aber auch schon in meiner Jugend so … es hat sich also in jeder Hinsicht nichts geändert und ich fürchte, die Geschichte wird sich wiederholen bis wieder alles kaputt ist …
        aber vielleicht kaufen uns ja die Inder und Chinesen auf und greifen mit fester Hand durch? Ob ich das will?

        • Ich glaube, dass es den Menschen von daheim deutlich besser geht als den Flüchtlingen. Von vielen Hetzern wird immer wieder darauf verwiesen, was dem Flüchtling alles geboten wird, dem Obdachlosen aber nicht – um ein beliebtes Beispiel zu verwenden.

          Und ich glaube, dass den Obdachlosen durchaus viel geboten wird – viele nutzen die Angebote aber aus verschiedenen Gründen nicht, die jeweils mehr oder weniger nachzuvollziehen sind.

          Spätestens, wenn es ums Handeln geht, sehen die Hetzer aber blass aus – weil sie selber keine Hand rühren, um es den Obdachlosen besser gehen zu lassen.
          Schaut man sogar in die Wahlprogramme der Hetzer, so finden sich dort nur Punkte, die die Schere zwischen Arm und Reich noch größer werden lassen.

          Verlogen und Scheinheilig bis zum Geht-nicht-mehr.

          Ich glaube ernsthaft, dass wir beim Helfen nicht zwischen „die und wir“ unterscheiden dürfen, auch wenn hier wohl jeder eine kleine innere „aber DIE haben doch gar nichts einbezahlt!“ hat.
          Da muss man sich einfach mal über seinen Instinkt erheben.

          Und natürlich gilt es an der Gesamtsituation einiges zu ändern, um den Nährboden bei den einfacher strukturierten Gemütern abzubauen.

          Altersarmut und Infrastruktur sind da wichtige Themen.

          Bei Allem muss trotzdem immer wieder klargestellt werden, dass nicht die Flüchtlinge schuld an den Zuständen sind.

          Im Gegenteil – ich glaube, viele von ihnen können uns sogar beim Abbau der Misstände helfen.

          Allerdings erfordert das viel Arbeit von allen Seiten – und mir fehlt die Zuversicht, dass die Bereitschaft dazu hüben wie drüben sehr groß ist …

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