Warten auf Deutschland

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Die Schiffe der Phoenix-Flotte und ich – das scheint keine gute Kombination zu sein.

Schon vorletztes Jahr hatte ich am Nord-Ostsee-Kanal vergeblich auf die „Albatros“ gewartet (für die Nachwelt festgehaltenes Gejammer siehe > hier < im Blog) – dieses Mal sollte es die „Deutschland“ sein, die mir den Tag verhagelte.

Das ehemalige ZDF-„Traumschiff“ war nämlich laut Plan das Wasser- und Schifffahrtsamtes für Schleusung in Holtenau um 15,oo Uhr (genau genommen hätte ich rückblickend auf die Ereignisse mit der „Albatros“ schon hier aufhorchen sollen) vorgesehen, so dass sie meiner Schätzung nach gegen circa 16.oo meinen Lieblingsknipsplatz – die Südseite des Kanals in Sehestedt – passieren dürfte.

In der Nacht von vorgestern auf gestern allerdings machte das Schiff sich von Sassnitz aus auf den Weg nach Eckernförde – was ja bei den Kreuzfahrern der Phoenix-Flotte ein festes Ostsee-Ziel zu sein scheint und bei den Passagieren alleine schon des sonst nur von Helgoland-Besuchen bekannten Ausbootens wegen durchaus beliebt sein dürfte.

Aber wenn die „Deutschland“ nun erst morgens in Eckernförde eintrifft – konnte es dann noch klappen mit der Schleusung in Holtenau um 15.oo Uhr?

Spätestens hier hätte ich eigentlich wirklich aufhorchen sollen, habe mich aber lieber mal mit einer Frage in einer facebook-Gruppe von Schiffsbegeisterten und -guckern und -fotografen diesbezüglich erkundigt.
Ein Mitglied dieser Gruppe war kürzlich selber erst auf der „Deutschland“, und da habe man Eckernförde um 14.oo Uhr verlassen. Das konnte meiner groben (und komplett unfundierten) Schätzung nach dann durchaus noch mit der rechtzeitigen Schleusung klappen.

Ab 13.oo Uhr behielt ich die marinetraffic.com-App im Blick und … Guck! Kurz vor halb Zwei setzte das Schiff sich in Bewegung.
Als Ankunftszeit gab die App „geplant 15.oo Uhr, kalkuliert 14.35 Uhr) an.

Also habe ich mich ganz unhastig fertig gemacht, aufgesessen und den Weg nach Sehestedt eingeschlagen, wo ich um ungefähr 14.45 Uhr eintraf, auf die App schaute – und nicht schlecht staunte, dass die „Deutschland“ immer noch mitten auf der Ostsee vor der Kieler Förde lag.

Ich kürze meine Leidensgeschichte ab: Um 16-Uhr-nochwas war das Schiff immer noch nicht in der Schleuse, und um ungefähr halb Fünf habe ich angesichts des immer schlechter werdenden Lichts (aber auch dem unterschwelligen Quengeln meines Beifahrers folgend) meine Zelte in Sehestedt schließlich abgebrochen und den Kanalfischer in Rade bei Rendsburg angesteuert, um erst einmal den seit dem frühen Morgen vernachlässigten Magen zu füllen.

Als ich auf dem Rückweg vom Restaurant zum Campingplatz wieder in Sehestedt den Kanal kreuzte, verriet der Blick auf die marinetraffic.com-App mir, dass die „Deutschland“ jetzt gerade erst in Holtenau in die Schleuse fuhr. Mit ihrer Ankunft in Sehestedt würde also frühstens in einer Stunde zu rechnen sein!
Da sich mittlerweile zu dem fortgeschrittenen Schwinden des Lichts auch noch erste Tropfen des späteren Unwetters gesellt hatten, widerstand ich meinem Impuls, doch noch auf das Schiff zu warten. Stattdessen setzte ich meinen Rückweg zum Campingplatz fort, wo ich mir sofort ein schönes kaltes „Duckstein“ (gefolgt von einem schönen kalten Duckstein) einzuverleiben vornahm.

Boah, was war ich angepisst gestern!

Ob es wirklich an der Phoenix-Flotte liegt, dürfte natürlich zu bezweifeln sein – in Wahrheit stehen in Holtenau wohl mal wieder nicht alle Schleusen zur Verfügung, so dass das Ziel meiner Begierde wohl langsam machen musste und erst spät geschleust werden konnte.

Immerhin kamen während der Wartezeit zwei kleinere Schiffe (Frachter und Tanker) vorbei, so dass ich nicht mit komplett leerer Speicherkarte zurück auf den Campingplatz fahren musste und der Tag nicht gänzlich verschwendet war (naja, und das Schnitzel mit Zwiebeln und Champignons beim „Kanalfischer“ war ja auch ganz lecker). Ein gestern Abend noch gesichtetes und aufbereitetes Foto vom Frachter „Miska“ habe ich hier oben im Beitrag eingefügt.

Hoffentlich habe ich nächste Woche mit der „Balmoral“ mehr Glück, die ich – anders als die „Deutschland“ – noch nicht vor der Linse hatte.

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2 Antworten auf Warten auf Deutschland

  • allein die zweifache Erwähnung eines meiner Lieblingsgetränke, das es hierzulande leider nicht gibt, hat mir jetzt den Tag versaut … aber wenn der Tag sich zu Ende neigt, werde ich eingedenk deiner mutmasslichen Abendbeschäftigung mit einem Tröpfchen vom Guten deiner gedenken :-)

    • Oh, das mit dem Tag-Versauen wollte ich nicht.

      Ich nehme das „Duck“ aber auch immer nur im Urlaub zu mir …

      Grusels,

      Marco

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