weltfremd

Arme Reiche Profikicker

.

Da hat sich in Person von Per Mertesacker also nun ein Fussball-Millionär öffentlich darüber beklagt, unter welch schlimmen Druck er in seiner Karriere gestanden hat.

Da ist von Erleichterung nach dem Ausscheiden bei der Fussball-Weltmeisterschaft die Rede, von nervösen Blasen und Brechreiz vor dem Spiel.

Und ganz Deutschland ist nahezu in Tränen erstickt und möchte am liebsten nach dem Zehnstundentag im Büro oder den acht Stunden auf der Baustelle noch auf die Straße gehen, um für den armen, armen Mann ein wenig Geld zu sammeln und ihm dieses Leiden irgendwie erträglich zu machen oder zumindest zu entgelten.

Huch! Der Mann hat ja Geld. So ein bisschen.

Ja, ich weiß … das erscheint auf den ersten Blick etwas kurz gedacht und fies von mir, denn mit Geld kann man sich Gesundheit ja nicht kaufen, wie es so schön heisst. Körperliche nicht und geistige erst recht nicht.

Und so wird einem auch in der öffentlichen Diskussion ganz schnell entgegengehalten, dass man doch nur neidisch auf das Geld sei und ob man denn Robert Enke vergessen hätte.

Das sind für mich alles verschiedene paar Schuhe.
Robert Enke war krank. Schwer krank. Der Herr Mertesacker dagegen scheint einfach nur tierischen Stress gehabt zu haben – so wie nahezu jeder Handwerker und auch (oder sogar noch mehr) jeder Schreibtischtäter ihn im Job auch hat.

Täglich. Nicht nur vor neunzig Minuten Fußballspiel.

Im Gegensatz zu Otto Normalverdiener jedoch hat ein Herr Mertesacker das finanzielle Polster, um sich jederzeit diesem Stress entziehen zu können, ohne gleich von Stress in sehr konkrete Existenzängste fallen zu müssen.

Das jedoch hat er nicht getan, sondern es vorgezogen, noch zwölf Jahre weiterzumachen – mindestens, denn er bezieht sich ja auf die WM 2006.

Ein Sebastian Deisler zum Beispiel, der ebenfalls mit dem Druck nicht klar gekommen ist, hat seinen Schlußstrich gezogen und die Laufbahn als Profi-Fußballer „von jetzt auf gleich“ beendet.
Fertig.

.

Ich will hier keinesfalls den Leidensdruck herunterspielen, unter dem ein Fußball-Millionär stehen mag. Aber ich weigere mich zu glauben, dass sein Stress in Summe unseren täglichen Druck übersteigt, und so will ich einfach nur darauf hinweisen, dass er nicht schlimmer dasteht als Otto Normalverdiener.

Und ich glaube, dass man aus dem finanziell weichen und selbst gewählten Bett eines Berufsfußballers heraus einfach nur seinen Mund halten sollte – jedenfalls zu diesem Zeitpunkt.

Wenn ich etwas ändern will, beende ich diese Laufbahn sofort und schlage einen anderen Weg ein – wie zum Beispiel Sebastian Deisler es getan hat.

Wenn ich etwas bewegen will, mache ich früher meinen Mund auf – und nicht erst am Ende der lukrativen Karriere.

Denn genau genommen hat ein Mann wie Per Mertesacker genau das gemacht: Gesundheit verkauft.

Und das ist selbstgewählt.

.

Man muss ja Mitleid haben

.

Gestern im „Doppelpass“ auf dem TV-Sender Sport1 ging es unter Anderem auch um die ach so große Belastung für die deutschen Nationalspieler; und es wurde die Frage gestellt, ob für die armen Bengel denn wirklich noch Freundschaftsspiele sein müssen.

Ich bin ganz sicher, dass die vielen Dreifachjobber im Land vom Schicksal der Sportmillionnäre derart mitgenommen und gerührt sind und ihr Taschentuchverbrauch deshalb derart angestiegen ist, dass sie ihren Speiseplan für den restlichen Monat ernsthaft überdenken müssen.

Nicht falsch verstehen, bitte: ich gönne den Profisportlern alles Geld der Welt – weiß ich doch, dass es bei vielen mit der Bildung und Ausbildung abseits der Leibesertüchtigung nicht allzuweit her ist und sie nach ihrer womöglich nur kurzen Karriere von dem Geld leben müssen, das sie sich bis dahin erspielt haben und das nach den Honoraren für Berater und Manager sowie den Kosten für einen luxuriösen Lebenswandel noch übrig geblieben ist.
Und so ein Haufen Kohle kann ganz schnell dahinschmelzen, wenn plötzlich nichts mehr ‚rein kommt, der Lebensstil sich aber nicht ändert.

Trotzdem mögen diese verwöhnten Kurzarbeiter doch bitte einfach die Fresse halten und Wörter wie „Überbelastung“ nicht in den Mund nehmen – denn hier wissen sie einfach nicht, wovon sie sprechen.

.