Gewalt

böser Blitzgedanke

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„Messerstecher in Hamburger Supermarkt“ lautete die Schlagzeile, die aus einer der vielen Neuigkeiten-Apps in den Bereich meiner Aufmerksamkeit vordrang.

Und ich sach‘ noch: Macht eine zweite Kasse auf!

schoss mir dazu sofort durch den Kopf.

Nicht nur vor dem Hintergrund des Todesopfers ist es natürlich eigentlich unangebracht, mit schwarzem oder überhaupt irgendeinem Humor auf solche Nachrichten zu reagieren.

Eigentlich.

Für mich ist es eine Art Sicherheitsventil, um vor der Flut der vielen schlimmen Nachrichten, die uns täglich in immer größerer Intensität erreichen, nicht kopf- und seelenkrank zu werden.

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Täglich konduliert das Murmeltier

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Gestern. London.
Wieder ein terroristischer Akt.

Und wieder „verurteilen“ Staatsoberhäupter „auf das schärfste“ und „stehen in diesen Moment entschlossen an der Seite“ des be- bzw. getroffenen Landes.

Das ist fein, denn es kostet ja nichts.
Und verliert für mich irgendwie nach und nach an Wert.
Es schleift sich ab. Es ermüdet.

Ich glaube langsam, dass die Terroristen nur eine einzige Sprache verstehen: Und zwar die nackte, kompromisslose Gewalt.

Doof nur, dass genau DIE einen nicht unbeträchtlichen Teil zum Entstehen und Nähren des Terrorismus beigetragen hat und beiträgt.

Aber was sollen wir tun? Nur mit gutem Zureden werden die ganzen verblendeten jedweder Couleur sicher nicht bekehrt werden können.

Manchmal bin ich froh, dass ich es nicht entscheiden kann und muss, sondern einfach nur hilfloser Zuschauer sein darf.

Fest steht für mich lediglich, dass es hier kein „von jetzt auf gleich“ als Lösung geben kann.
Wir können nur versuchen, vor Ort (also in den „Ursprungsländern“ des Terorrismus) die Versorgung mit Grundlegendem wie Nahrung, Gesundheit und Bildung sicherzustellen und zu verbessern und auf gleichem Wege unsere Werte zu vermitteln.

Das ist ein langer Weg, und bis sich ein wenig Besserung eintreten kann, wird es noch oftmals knallen.

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aufgeschnappt

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Wenn dir einer um 17.oo Uhr das Nasenbein bricht, und der ist 19.30 Uhr schon wieder in der Stadt und läuft dir über’n Weg, obwohl er gefasst worden ist, und der Richter schickt ihn wieder nach Hause, weil er sagt „gute Sozialprognose, fester Wohnsitz und wasweissichwas, geh‘ erstmal nach Hause“, dann funktioniert das nicht. Wir müssen eine soziale Ächtung herbeiführen von solchen Leuten, die müssen nochmal ein oder zwei Tage eingesperrt werden, damit die Familie mal auf einmal merkt, wenn er Sonntags morgens nicht da ist, „was haste denn da für’n Früchtchen ‚rangezogen“, und auch der Chef am Montag mal merkt „Okay, wo ist denn der eigentlich? Aha?!“.
Wenn wir da so weitermachen, dann kriegen wir ein Problem.

(Hans-Joachim „Aki“ Watzke von Borussia Dortmund gestern Abend im ZDF Sportstudio zur Gewalt unter Fussball“fans“)

Ich möchte dazu zuerst einmal nachdrücklich nicken – andererseits aber ist es dann ja leider doch nicht ganz so einfach, wie man es sich wünschen mag.
Was schliesslich wird der Mensch machen, der auf diese Weise auch noch seinem nächsten Umfeld gegenüber enttarnt wird? Dass er ein besserer Mensch wird, ist wohl eher auszuschliessen.

Dennoch glaube ich, dass man rigoroser und mit allen Möglichkeiten der Gesetze vorgehen sollte – immerhin kann man so ein Beispiel für andere schaffen, die sich ihr Handeln dann zukünftig etwas besser überlegen.

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Weise Worte über Verantwortung

Anlässlich des Todes Richard von Weizsäckers wurde gestern lauffeuerartig ein Posting der Süddeutschen Zeitung mit einem Zitat unseres ehemaligen Bundespräsidenten in den sozialen Netzwerken geteilt, das erstaunlich gut auch in unsere heutige Zeit passt:

Die Bitte an die jungen Menschen lautet:
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder gegen Türken,
gegen Alternative oder gegen Konservative,
gegen Schwarz oder gegen Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.

Wer mich kennt, weiss ja so langsam auch, dass ich nur ungern mit der Masse schwimme – also habe ich mich auf die Suche nach einem  „eigenen“ Weizsäcker-Zitat gemacht, das nach meinem Dafürhalten zeitlos ist und gleichzeitig das Killer-Argument „Ich bin nach 45 geboren und schulde der Welt einen Scheiss“ widerlegt:

Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.

Genau wie das von der Süddeutschen Zeitung verwendete Zitat stammen diese Worte aus einer Rede, die Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 anlässlich des vierzigsten Jahrestages der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor dem Deutschen Bundestag gehalten hat.