Schnee damals und heute

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Gestern hat das Sturmtief „Friederike“ sich ja durch Deutschland bewegt, und obwohl es in meinem Landstrich hier gar nicht so windig war sondern nur geschneit hat, kam man aus dem offenmündigen Kopfschütteln ob der vielen Meldungen aus dem gesamten Land über eingestellte Flug- und Zugverbindungen nicht mehr heraus.

Erst vorgestern Abend habe ich im Regionalfernsehen einen Bericht über die Schneekatastrophe aus dem Winter 1978/1979 gesehen und war mir nicht nur vor dem Hintergrund jüngster technischer Glanzleistungen wie der Bauprojekte „Elbphilharmonie“, „Flughafen BER“ und „Stuttgart 21“ fast vom Fleck weg sicher: Wenn so etwas heutzutage passiert, sind wir verloren.

Alle.

Restlos.

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Doch warum ist das so?

Sind wir wirklich alle dumm und verweichlicht geworden?

Ich fürchte, die Antwort ist ja. All der technische Fortschritt hat eben eine große Portion Bequemlichkeit mit sich gebracht, so dass wir viele Fähigkeiten verlernt haben – wobei „wir“ sowohl übergreifend (beispielsweise liest man im Zusammenhang mit dem nötigen Neubau der Schwebefähre Rendsburg, dass die Technik des Nietens verlernt worden sei) als auch ganz individuell: Wie oft haben wir denn viel Schnee? Wer kann sich in der Fahrschule noch darauf vorbereiten, so wie es mir damals noch vergönnt gewesen ist?

Dazu kommt allerdings auch, dass viele für den Verkehr wichtige Dinge kaputtgespart sind: Die Straßen sind marode und schon über Jahre nur notdürftig geflickt, die Schienennetze sind teilweise genauso veraltet wie die Maschinen, die sie befahren. Und die Bäume sind eben vierzig Jahre älter als bei der Schneekatastrophe, so dass sie heutzutage eben bei Sturm und auch bei Schneelast auf die Straßen und Schienen fallen.

Das wäre vielleicht alles nicht unvermeidbar gewesen, und ich will hier kein finales Urteil darüber fällen, ob nun Geiz oder Dummheit dazu geführt haben, dass wir heute da stehen, wo wir bei spezielleren Wetterereignissen nun einmal stehen.

Aber ich bleibe dabei: Eine Ereignis wir die Schneekatastrophe von damals würde heute empfindlichere Folgen haben als damals.

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Eine Antwort auf Schnee damals und heute

  • Es hat aber auch noch viele andere Gründe und einer der gravierendsten ist meiner Ansicht nach die fehlende Zeit, die uns alles viel dramatischer empfinden lässt. In meiner Kindheit/Jugend gab es Winter, in denen es über Nacht einen Meter Schnee und mehr in der Stadt gab und wer auf die Straße wollte, musste sich vor der Haustür einen Tunnel durch den Schnee graben, denn die Schneeräumung kam frühestens in zwei Tagen. Aber alles kein Problem, Lebensmittel waren genug da, denn damals gab es noch eine Vorratshaltungliste für Notfälle und man bediente sich ein, zwei Tage aus der Speisekammer. Das Telefon ging oft tagelang nicht und die Chefs waren es gewohnt, dass bei solchem Wetter keiner zur Arbeit kam und die Kinder gingen einfach nicht in die Schule. Wen störte das großartig? Die wenigsten Leute besaßen ein Privatauto und wer es wirklich eilig hatte, der schnallte sich die Langlaufschier an und glitt in die Stadt. Der öffentliche Verkehr kam zum Erliegen, aber wer regte sich darüber auf? Nun ja, die Zeitung zum Frühstück war auch nicht da, Fernsehen begann erst um 17 Uhr, sofern es schon Fernseher gab. Und alles ging den Lauf der Natur … und genau das haben wir verlernt zu akzeptieren. Heute stürzen ein paar Bäume auf die Schienen und die Hölle ist los, weil es keiner erwarten kann bis das Räumkommando kommt und am liebsten hätten wir gerne alle Strassen untertunnelt, damit man ohne Wettereinflüsse durch die Gegend kommt und oben das Freizeitvergnügen toben kann. Spinnt die Welt? Einerseits die Erde durch Globalerwärmung usw. versauen und sich dann darüber aufzuregen, wenn die Natur mal macht, was sie will?
    Da fällt eine 20m hohe Tanne aus Nachbars Garten aufs Dach und der NDR findet es notwendig darüber zu berichten? Aber hallo, in unseren Gärten darf kein Baum mehr höher sein als 6 Meter, damit so etwas nicht passieren kann. Und … ist das jetzt die Lösung dafür, dass es in der Stadt nur mehr numerierte Bäume gibt, die von eigenen Beamten regelmässig kontrolliert werden müssen, damit nicht eventuell ein morscher Ast Omas vierbeinigen Liebling während eines Sturms trifft? Das ist so dekadent, dass ich kotzen könnte.
    Und wenn da einige Führerscheinbesitzer keine Erfahrung auf Eis und Schnee haben, dann sollen sie doch bitte zuhause bleiben. Jeder Autofahrerklub hat heute Schleudertraining etc. im Angebot, aber das braucht doch keine Sau, weil wir doch alle die geborenen Autofahrer sind … das Ergebnis ist zu sehen, wenn alle zu schnell fahren und nicht in der Lage sind, ihr Fahrverhalten der Witterung anzupassen. Und eventuell den fahrbaren Untersatz auch mal stehen lassen … das ist ja schlimmer als IS-Terror & Co!!!

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