rein lynchmäßig überfordert

Seien wir ehrlich: Mal abgesehen davon, dass Handgreiflichkeit absolut nicht mein Ding ist, wäre ich schon auf den knapp fünfzehn Kilometern Heimweg von der Firma nach Hause komplett ausgelastet, wenn ich jeder und jedem eines auf die Fresse hauen würde, die/der dieses verdient.

Heute zum Beispiel rollen mein Auto und ich zum ersten Mal seit ich-weiss-nicht-wievielen Wochen auf den komplett leeren Linksabbieger zu. Die Ampel ist grün, und ich sehe mich schon mit Zieleinlauf-Jubeln auf den Lippen abbiegen – da tapert eine kleine Oma von rechts über die Straße.

Meine Berechnungen sagen, dass sie genau zu meinem Eintreffen auf ihrer Höhe „meine“ Abbiegespur betreten wird.

Sehen kann sie mich nicht, weil sie den Kopf seit ihrem ersten Schritt auf die Straße streng nach rechts gedreht hält – was natürlich so richtig Sinn macht, wenn die Autos auf den ersten beiden zu querenden Fahrstreifen ausschließlich von links kommen können.

Ohne Frage guckt sie absichtlich streng nach rechts –  um nicht selber anhalten zu müssen, sondern mich eben dazu zu zwingen.

Ich fahre natürlich mit kaum verminderter Geschwindigkeit weiter, allerdings mit der Hand durchgehend auf der Hupe.

Interessiert Omi gar nicht – und mir bleibt nichts anderes übrig, als anzuhalten und sie vorbeizockeln zu lassen, während die Ampel vorne auf Rot schaltet.

Als sie dann an mir vorbei war und ich durch das offene Seitenfenster fragte, ob sie nicht sehen und hören könne, brachte sie mit angesichts ihres „tatterigen“ Ganges doch erstaunlich kräftiger Stimme nur ein Wort hervor: „Arschloch!“.

Normalerweise müsste man jedem, der sich seine eigenen Regeln erstellt und diese anderen aufzwingt, sofort kräftig eines auf die Fresse hauen – anders verstehen die es nicht.

Wenn überhaupt …

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Und NEIN, es ist sicher nicht so schlimm, dass ich da jetzt erst in der nächsten Grünphase weiter fahren konnte. Aber dass Menschen sich immer weniger an allgemeine Regeln des Miteinanders halten und damit am Ende noch gewinnen  – DAS ist schlimm.

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2 Antworten auf rein lynchmäßig überfordert

  • siehste, das lernt man in der ersten Stunde in der Fahrschule, dass es den sogenannten Vertrauensgrundsatz gibt und der lautet grundsätzlich: Traue niemandem, der sich bewegen könnte … manchmal möchte ich im Wilden Westen leben: Erst schießen, dann fragen …

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