Man muss ja Mitleid haben

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Gestern im „Doppelpass“ auf dem TV-Sender Sport1 ging es unter Anderem auch um die ach so große Belastung für die deutschen Nationalspieler; und es wurde die Frage gestellt, ob für die armen Bengel denn wirklich noch Freundschaftsspiele sein müssen.

Ich bin ganz sicher, dass die vielen Dreifachjobber im Land vom Schicksal der Sportmillionnäre derart mitgenommen und gerührt sind und ihr Taschentuchverbrauch deshalb derart angestiegen ist, dass sie ihren Speiseplan für den restlichen Monat ernsthaft überdenken müssen.

Nicht falsch verstehen, bitte: ich gönne den Profisportlern alles Geld der Welt – weiß ich doch, dass es bei vielen mit der Bildung und Ausbildung abseits der Leibesertüchtigung nicht allzuweit her ist und sie nach ihrer womöglich nur kurzen Karriere von dem Geld leben müssen, das sie sich bis dahin erspielt haben und das nach den Honoraren für Berater und Manager sowie den Kosten für einen luxuriösen Lebenswandel noch übrig geblieben ist.
Und so ein Haufen Kohle kann ganz schnell dahinschmelzen, wenn plötzlich nichts mehr ‚rein kommt, der Lebensstil sich aber nicht ändert.

Trotzdem mögen diese verwöhnten Kurzarbeiter doch bitte einfach die Fresse halten und Wörter wie „Überbelastung“ nicht in den Mund nehmen – denn hier wissen sie einfach nicht, wovon sie sprechen.

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2 Antworten auf Man muss ja Mitleid haben

  • Die Frage ist, wo der Fehler im System liegt? Ich kenne einen Kollegen, dessen Sohn wurde mit 12 Jahren von einem spanischen Großklub gekauft. Der Bub konnte kein Wort Spanisch und kam in Madrid in ein Internat. Vater konnte sich die Reise dorthin nur einmal im Jahr leisten und musste für die Ausbildungskosten jährlich 30.000 Euro aufbringen.
    Dafür hat er sein Haus verpfändet, in der Hoffnung, dass der Jüngling irgendwann mal das Geld zurück gibt, wenn er ein großer Kicker ist. Nun ist der Junge 18 Jahre, hatte im Vorjahr einen doppelten Waden- und Schienbeinbruch und wird wohl nie wieder Fussball spielen können. Er wurde also ausgemustert und steht nun ohne Lebensgrundlage da, von einer adäquaten Schulausbildung gemäß unseren Ansprüchen ist er weit entfernt und Papa ist sein Haus los, denn eine Versicherung gegen Erwerbsunfähigkeit des Sohnes gibt es nicht.
    Auf der einen Seite hat man also Geld wie Heu und nichts gelernt, auf der anderen Seite kann das voll in die Hose gehen. Beiden gemeinsam ist jedoch die fehlende Ausbildung und Vorsorge für ein Leben danach … oder wenn so ein Kicker mal Burnout hat, weil ihm die Kommunikation mit dem Ball nicht mehr zielführend erscheint?

    • Ich muss gestehen, dass mein erster Impuls auf den Bericht von diesem Schicksal der Gedanke „Dafür müsste er noch eine Ohrfeige obendrauf bekommen“ war.

      Aber das ist vielleicht nicht ganz fair – immerhin glaubt Paps an seinen Sohnemann und will ihm alles ermöglichen. Da wird man dann vielleicht eben einfach nicht hellhörig, wenn das Talent von einem Club gelockt wird, dort aber seine Ausbildung selber bezahlen soll (was für mich einfach nur danach klingt, dass die sich die Ausbildung anderer Talente von der Gesamtheit aller Anwärter bezahlen lassen) – sondern tut alles, um den Nachwuchs seinen Traum zu erfüllen.

      Wer weiß, was aus so vielen Rennfahrern geworden wäre, wenn ihre Eltern nicht ihr gesamtes Leben sowie Hab und Gut in die eventuelle Karriere ihres Kindes investiert hätten?

      Aber wer dies nüchtern betrachtet, wird feststellen müssen, dass der Fall eines Cart-Kiddies, das es bis zum gut dotierten Piloten eines Formel 1-Boliden schafft, ungefähr so selten ist wie der des Pee Wee-Footballers, den seine Karriere bis in den Super Bowl führt.

      Und mit dem Fußball wird es sich ähnlich verhalten, was meinen eingangs beschriebenen Impuls trotz allen Respekts für die Liebe und guten Absichten des Vaters wieder stärker werden lässt …

      Grusels,

      Marco

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