Verbotene Zone

Der nachfolgende Text ist zu einer Zeit entstanden, als man in der fotocommunity kein Speicherstadt-Foto hochladen durfte, ohne auf beinahe in Beschimpfungen ausartenden Kommentare nach dem Muster och-mensch-nicht-schon-wieder vorbereitet zu sein.
Ich hatte den Text im Wiki der FC hinterlegt und verwies bei jedem Speicherstadt-Upload auch darauf. :-)

Verbotene Zone, Die [f]
Die Speicherstadt – Hamburgs historischer und weltweit einzigartiger auf Eichenpfählen gegründeter Lagerhauskomplex – wurde erstmals 1999 auf Betreiben des Hamburger Lichtkünstlers Michael Batz  (u.A. WM-Aktion “Blue Goals”) für sein Open-Air-Theaterstück “Mozart.Amerika” illuminiert.

Seit April 2001 wird dieser historische Stadtteil durch den Verein “Lichtkunst Speicherstadt” jeden Abend in Licht getaucht, wobei im Schnitt nur 24 Watt-Leuchten verwendet werden: Die meisten Fassaden werden mit 35 Watt-Lampen angestrahlt, die Brücken und Türme sogar nur mit 18 bzw. 13 Watt.  Nur selten werden 70 Watt-Leuchten eingsetzt, um Gebäude optisch voneinander zu trennen.

Von der mit einem Barkassen-Sirenenkonzert untermalten Eröffnung der dauernden Illumination an verging nicht viel Zeit, bis dieser historische Teil des Hamburger Hafens (jeden Abend von Eintritt der Dunkelheit bis 23.30 Uhr mit warmen Licht geflutet) sich auf einem Spitzenplatz in den Charts der beliebtesten Motive bei den Hamburger Nachtfotografen und Besuchern der Stadt wiederfand.

Dabei bietet die Speicherstadt sowohl berühmte Standardmotive – allen Voran seinerzeit wohl der “Speicherstadt-Ami” und das von der Poggenmühlenbrücke aus aufgenommene Windenwärterhaus (genannt “Wasserschlösschen”) – als auch die Möglichkeit zu immer wieder neuen Sichtweisen, denen besonders angesichts der Errichtung der angrenzenden Hafencity kaum Grenzen gesetzt sind.

Der dadurch bedingte höhere Anteil von Uploads aus diesem Areal hat bei vielen Usern der Fotocommunity nachhaltige Schädigungen verursacht.
Viele werden vom Speicherstadt-Virus infiziert und besuchen die Stadt nur dieses Motivs wegen, andere wiederum berichten sogar von Fluchtreflexen beim Erspähen eines neuen Fotos aus der Speicherstadt. Dies führte ungefähr 2003/2004 sogar so weit, daß Hamburger Nachtfotografen unter ihren Speicherstadt-Uploads fast regelmässig Anmerkungen fanden wie “Och neee, nicht schon wieder Speicherstadt! Habt Ihr in Hamburg nichts Anderes?! Den Kölner Dom zum Beispiel? Oder ein LaPaDu oder wenigstens ein Kanzleramt? Eine Frankfurter Skyline? Eine Semperoper? Gehry-Bauten oder ‘nen Medienhafen? Oder wenigstens Libellen oder Eichhörnchen vielleicht?”.

Mittlerweile wurde das Fotografieren in der Speicherstadt von der EU-Kommission für Standardmotive unter schwere Strafe gestellt: Wer hier mit einer über das 3-MP-Handy hinausgehenden Fotoausrüstung angetroffen wird, hat mit einer Strafe von mindestens sechs überzogenen HDRI/Tone Mappings zu rechnen oder sogar zwei Wochen Kennedy-Ufer in Köln am Rhein.

Die für den Strafenkatalog zuerst ebenfalls angedachte Verbannung wahlweise auf die Libellenfarm, ins Eichhörnchengehege oder zur Schmetterlingswiese konnte auf Betreiben der EU-Kommission für erhaltenswerte Naturfotos verhindert werden; näher in Betracht gezogen wird derzeit jedoch eine Einweisung in die Beelitz-Heilstätten.

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