Tönning

Tönning, das erstmals 1187 erwähnt wurde, erblühte zur Stadt, als niederländische Immigranten für einen kräftigen Aufschwung der Wirtschaft Eiderstedts sorgten. Dabei führten die Holländer vor Allem die Käseproduktion im großen Stil ein, und Tönning fiel eine wichtige Rolle als Ausfuhrhafen zu. Diese Entwicklung gipfelte im Rekord-Jahr 1610, als ganze drei Millionen Pfund Käse im Tönninger Hafen umgeschlagen wurden.
Der durchschnittliche Umschlag in den Jahren 1607 bis 1624 betrug 2,7 Millionen Pfund.

Im Zuge dieser Entwicklungen wurden unter Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf die Verkehrswege ausgebaut. Da Tönning aus dem Innenland oft nur über sogenannte “Kleiwege” erreichbar war, welche bei Nässe unpassierbar wurden, wurden kleinere Kanäle in die umliegenden Ortschaften gebaut. Dabei wurden die Entwässerungstechniken verbessert, was zu einer Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge führte. So passierten im 17. Jahrhundert neben dem bereits erwähnten Käse auch große Mengen Weizen, Fleisch, Wolle und lebende Tiere den Hafen Tönnings.
Schon 1613 wurde der Hafen auf seine heutige Form ausgebaut und bot damit genug Anlegeplätze für alle Schiffe, die Eiderstedter Produkte in viele Länder Westeuropas transportierten.

Tönning, das bereits seit 1590 Stadtrecht besaß, war gleichzeitg auch Gerichtsort für das östliche Eiderstedt; ab 1630 fanden hier die Tagungen der Eiderstedter Landesversammlung statt.

Nach zwei geschichtlichen Abschnitten Tönnings als “Festungsstadt” während und nach des dreissigjährigen Krieges (der Gottorfer Herzog Friedrich der III. hatte die Stadt als vorgelagerten Schutz ausgebaut) erfuhr die Stadt eine zweite Blüte durch den zwischen Rendsburg und Kiel gebauten Eiderkanal: Erstmals bestand nun eine Verbindung zwischen Nord- und Ostsee, und Tönning als letzter Hafen vor der offenen Nordsee profitierte naturgemäß von dieser Entwicklung. Der Großteil aller passierenden Schiffe legte hier an und rüstete sich für eine weitere Fahrt durch Kanal und Ostsee oder über die Nordsee.
Im Zuge dieser Entwicklung entstanden in der Hafenstadt diverse neue erzeugende und weiterverarbeitende Firmen, wie beispielsweise Brauereien, Ziegeleien und eine Gerberei.

Während der Kontinentalsperre gewann Tönning außerordentlich an Wichtigkeit.
Die Stadt lag nach diversen Änderungen im Besitz mittlerweile wieder im neutralen Dänemark und war somit nicht von Napoleons Elbblockade betroffen. So kam es, daß zwischen 1803 und 1807 der gesamte für Hamurg bestimmte Warenverkehr über Tönning lief, von wo aus die Kaufleute die Güter über Land weiter transportierten. Sogar die Niederländische Ostindien-Kompanie nutzte ab 1805 den Hafen führ die Transporte in den Ostseeraum und speziell nach Kopenhagen.  So kam es, daß wichtige Händler aus ganz Europa nach Tönning kamen und den Hafen für ein paar Jahre zum wichtigsten Hafen an der gesamten europäischen Nordseeküste machten.

Die wichtige Stellung Tönnings endete mit der Öffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute als Nord-Ostsee-Kanal bekannt), der den Schiffverkehr nicht mehr über die Eider in die Nordsee führte, sondern die südlicher gelegene Elbe dazu nutzte.

“Den Rest” bekam der als schönster seiner Art geltende Nordseehafen mit der Errichtung des Eidersperrwerks 1972, als der Großteil aller Fisch- und Krabbenkutter vom Tönninger Stadthafen in den neu entstanden Hafen am Eidersperrwerk verlegt wurden.

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