Tjalk Annemarie

Im Borsteler Hafen im Alten Land liegt als Museumsschiff die Tjalk „Annemarie“.

Die Tjalk – ein aus der Kogge für die Binnen- und Küstenschifffahrt  entwickeltes, mit dem Ewer verwandtes Rundschiff, trat erstmals im 18. Jahrhundert auf und zeichnet sich durch ihre Bauart mit einem sehr flachen und breiten – beihnahe rechteckigen – Boden bei nur wenig gebogenen Vorder- und Achtersteven sowie geraden Seiten. Damit war dieser überwiegend einmastige Schiffstyp auf maximale Stellfläche ausgelegt.

Man vermutet heute, dass Tjalken zuerst in den Niederlanden gebaut und eingesetzt worden sind, von wo aus sie bis nach Dänemark vordrangen und Ende des 18ten Jahrhunderts auch erstmals auf der Lühe im Alten Land auftauchten.

Bis früh im 20ten Jahrhundert war die meist aus Holz und Eisen gebaute Tjalk das meistverbreitete Wasserfahrzeug an den nordeuropäischen Küsten.

Das heute als Museumsschiff dienende Schiff „Annemarie“ wurde kurz vor Ende des 19ten Jahrhunderts im Auftrag des Sneeker Linienschiffers Jakob Fokkema auf einer Werft in Echten gebaut und wurde dabei zusätzlich mit einem Motor ausgestattet – als eine der ersten Tjalken dieser Werft wurde das ursprünglich auf „Twee Gebroeders“ getaufte Schiff dabei aus Eisen gebaut.

In den 20er Jahren des 20ten Jahrhunderts geriet das Schiff in Besitz eines Borsteler Landwirts, der das Schiff auf „Friede“ umtaufte und die Tjalk für den Transport von Obst aus dem Alten Land nach Hamburg einsetze.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde „Frieda“ nach Sylt verkauft, wo sie unter ihrem heutigen Namen „Annemarie“ als Fischereifahrzeug diente, bis sie 1955 in den Besitz eines Fischers auf Föhr gelangte. Es folgten mehrere Eignerwechsel, während der „Annemarie“ zum Transport von Baumaterialien (unter Anderem in Duisburg und für den Deichbau) eingesetzt wurde, bis sie Anfang der 80er Jahre in den Besitz eines Hamburger Ehenpaares geriet und wieder komplett zu Segelschiff umgebaut wurde.

Ende der 80er Jahre wechselte „Annemarie“ abermals ihren Besitzer und diente nach einer weiteren Umrüstung als im Wattenmeer wissenschaftlich eingesetztes Schiff sowie Schlafstelle für Kunststudenten, bevor sie 2007 schliesslich vom Verein „Borsteler Hafen“ erworben wurde.

Das 1893 auf der Echtener Werft „Jan Jans Bos“ gebaute Schiff hat eine Länge von 17.50 Metern bei einer Breite von 3,8 Metern und fast einem Meter Tiefgang und verdrängt dabei 30 Tonnen.

Gaffelrigg mit Großsegel, Fock und Klüver bringen es auf 95 Quadratmeter Segelfläche; zusätzlich steht ein 1943 gebauter 6-Zylinder Dieselmotor von Deutz mit 118 PS bereit.

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