stilwerk Hamburg

Die Hamburger Dependance des “stilwerk” – eines Themencenters für Einrichtung und Design, in dem man sich sowohl durch die Philosophie “Kooperation statt Konkurrenz” als auch durch die angesprochene Käuferschicht deutlich von normalen Einkaufszentren zu distanzieren versucht – ist bereits seit April 1996 geöffnet und zeigt auf circa 11.000 Quadratmetern, wo der Besserverdienende von heute noch so sein Geld lassen kann.  Es folgten Niederlassungen in Berlin (1999) sowie in Düsseldorf (2000).

Das Hamburger “stilwerk”, gelegen an der großen Elbstraße am Fischmarkt, sticht unter den anderen Locations hervor, befindet es sich doch im Gebäude eines ehemaligen Malzwerks und ist damit eine bemerkenswertes Beispiel für die Erhaltung eines Industriedenkmals.

Die Geschichte der Mälzerei reicht zurück bis ins Jahr 1641, als der dänische König erstmals eine Baugenehmigung für dieses Grundstrück erteilte. Seit 1670 befand sich dort eine Brauerei, die 1875 in den Besitz der Familie Naefke überging und in eine Malzfabrik für den Export umgewandelt wurde. Wahrzeichen dieser Fabrik wurde schnell ein knapp zwanzig Meter hoher “Darrschlot”, der sich – spiralförmig gedreht – über das Dach der Darre erhob.
Die Darre war eine Vorrichtung zum Trocknen des Malzes, um es so lagerfähig zu machen: Sie bestand aus einem engmaschigen Drahtgeflecht, auf dem das Malz gelagert und von unten mit heisser Luft durchströmt wurde.

Das Gebäude wurde 1910 zur heutigen Großen Elbstraße hin durch einen dreistöckigen Bau erweitert. Die Erweiterung entstand als eine der ersten Stahlbetonskelett-Konstruktionen des Landes und mit der für diese Ära wohl typischen Fassade aus Backstein. Die Verzierungen aus Gesimsen, Schmuckbändern und Blendbögen zeugen vom Wohlstand der Epoche.

Die Bausubstanz der Fabrik, in der bis zur Schließung im Herbst 1992 hauptsächlich Braumalz sowie Malz für die Lebensmittelindustrie hergestellt wurde, war nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt von den Spuren zahlreicher Umbauten, Modernisierungen sowie natürlich zahlreichen Zerstörungen durch den Krieg.
1950 folgte eine grundlegende Änderung, um die Räumlichkeiten den neuen Erfordernissen der moderneren Malzproduktion anzupassen, wobei man die starken Kriegsschäden am Kontorhaus behob und den berühmt gewordenen Darrschlot austauschte gegen einen neuen Schornstein aus Stahlbeton. Es folgten mehrere An- und Umbauten, aber die schöne Backsteinfassade ist bis heute erhalten geblieben. Ein Jahr nach Schliessung des Betriebes wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Nach einem Entwurf des Architekturbüros Lange-Vogler & Partner wurde der Umbau zum heutigen Gebäude in Angriff genommen – dabei kam es darauf an, die historische Substanz zu wahren und gleichzeitig das Innere neu zu gestalten – unter Einbeziehung historischer Bauelemente.  Dazu wurde die alte Fabrik teilweise entkernt, und es entstand eine völlig neue Raumaufteilung mit Galerien und Lichthöfen sowie natürlich großzügigen Ausstellungsflächen, um die Bedürfnisse des “stilwerk” zu befriediegen. Die Gestaltung der öffentlichen Bereiche – aus der Feder des Innenarchitekten Rolf Heide – betont dabei gelungen den Charakter eines Industriedenkmals: Kabel und Rohre wurden ganz bewusst sichtbar verlegt; für die Gestaltung der Schaufenster und Profile wurde ein “reduziertes Design” gewählt.
Zudem finden sich an mehreren Stellen im Inneren noch Reminiszensen an die Malzproduktion.

> Google Maps <

 

– zurück zur Übersicht –