Speicherstadt

(Siehe auch Verbotene Zone)
Die Speicherstadt Hamburgs ist nicht nur ein Eldorado für begeisterte Nachtfotografen und Standardmotivknipser, sondern der Welt größter auf Eichenpfählen gegründeter Lagerhauskomplex. Seit 1991 steht sie unter Denkmalschutz.

Der Bau der circa 1,5 Kilometer langen Lagerhaus-Anlage begann 1883, noch fünf Jahre bevor Hamburg sich dem Deutschen Zollverein anschloss und als noch die gesamte Stadt Zollausschlussgebiet war.
Das zum Einrichten der Speicherstadt nötige Abreissen der Wohnhäuser auf den Elbinseln Wandrahm, Brook und Kehrwieder bedeutete nicht nur die Vernichtung eines malerischen (und voll erhaltenen!) Altstadtviertels aus dem 17. und 18. Jahrhundert, sondern zwang auch circa 20.000 Menschen zum Umzug – was die Hauptkirche St. Katharinen fast ihre gesamte Gemeinde kostete.

Obwohl er Hamburg damals den spöttischen Titel der “Freien und Abriss-Stadt Hamburg” einbrachte, wurde der Bau der Speicherstadt nicht nur von den Kaufleuten als unbedingt nötig betrachtet: Um den Hafenbetrieb ungestört abwickeln zu können, musste einfach ein frei von deutschen Zöllen bleibendes Stadtviertel eingerichtet werden – der Freihafen. In diesem Gebiet sollte weiterhin das von jeher angestammte Privileg der Kaufleute Hamburgs gelten: Die zollfreie Lagerung, Veredelung und Verarbeitung von Importgütern sowie die gesamte Abwicklung des Übersee-Handels.
Der Bau der Speicherstadt und damit die Einrichtung des Freihafengebietes fanden Ihr Ende mit dem Bau der Brooksbrücke, der am 29. Oktober 1988 mit der feierlichen Anbringung einer Plakette durch Kaiser Wilhelm II. abgeschlossen wurde.

Früher waren es Quartiersleute, die hier ihre Dienste den Importeuren anboten.
Jene nämlich hatten keine eigenen Lagerflächen und mieteten die Fläche bei den Quartiersleuten. Diese hatten sich meist auf bestimmte Güter spezialisiert und verfügten demnach über eine hohe Warenkenntnis, so daß besonders bei Tee und Kaffee Mischungen gleich fertig konfektioniert werden konnten.
Noch heute gehört zu den Aufgaben der Quartiersleuten die Qualitätsprüfung der Waren und der Versand von Proben.

Die Einrichtung der Speicherstadt setzte für damalige Verhältnisse Maßstäbe: Jedes der Lagerhäuser konnte sowohl per Schiff – über die Fleete – als auch mit dem Landfahrzeug – über die Strassen – erreicht werden.

Da die gesamte Speicherstadt in einem überflutungsgefährdeten Bereich liegt, wurde das untere Stockwerk der in neugotischen Backsteinarchitektur errichteten Lagerhäuser nicht zur Lagerung von Waren sondern nur zur Versandvorbereitung genutzt. Die Bauweise der meist unbeheizten Speicher-Gebäude mit Holzfußboden gewährte relativ gleichmäßige klimatische Bedinungen – daher Kaffee, Tee, Gewürze und Stoffe als hauptsächliches Lagergut.

2003 wurde zunächst der Kehrwieder aus dem Freihafengebiet herausgenommen, 2004 schliesslich die gesamte Speicherstadt.

Nicht zuletzt aufgrund der gekonnt inszenierten Illumination durch den Hamburger Lichtkünstler Michael Batz (erstmals 1999 anlässlich einer Open Air-Vorführung seines Theaterstückes “Mozart.Amerika”) ist die Speicherstadt zu einem der beliebtesten Anlaufpunkte auf jedem Hamburg-Besuch geworden.

Während viele der Gebäude mittlerweile entkernt und modernisiert als prestigeträchtige Location diverser Werbeagenturen sowie für Museen und Ausstellungen (wie Beispielsweise “Hamburg Dungeon”, Spicy’s Gewürz-Museum, dem Miniatur-Wunderland oder dem neuen Kehrwieder-Varieté) dienen, werden große Teile der insgesamt 630.000 m² Nutzfläche immer noch im ursprünglichen Sinne genutzt.
Hauptsächlich Teppich- und Gewürzhändler sind es, die Ihre Waren hier nach wie vor lagern und umschlagen.

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