Speicherstadt-Kesselhaus

Das Kesselhaus in der Speicherstadt ist schon von weitem an den beiden “Drahtkorb-Türmen” zu erkennen, die in Form und Höhe an die echten Schornsteine des ehemaligen Elektrizitätswerkes erinnern sollen.
Das Kesselhaus als “Herz der Speicherstadt” – in doppeltem Sinne – wurde von 1886 bis 1888 durch Stadtbaumeister und Architekt Franz Andreas Meyer errichtet, der als “Spiritus Rector” der Speicherstadt hauptsächlich für die Straßen, Brücken und Fleete zuständig war, sich aber auch um das Aussehen der Speicherbauten zu kümmern hatte.

Meyer, am 6.12.1837 in Hamburg geboren, hatte ab 1854 in Hannover die polytechnische Schule besucht und kehrte nach Mitwirkung an der Ausführung des Bremerhavener Bahnhofs 1862 zurück an die Alster, um zunächst im Hafen tätig zu werden, bevor er 1868 zum Bezirksingenieur der inneren Stadt ernannt wurde.
1872 wurde er zum Oberingenieur der Baudeputation, 1876 zweiter Vorsitzender des Architekten- und Ingenieurvereins, von 1885 bis 1891 schließlich der erste Vorsitzender dieser Vereinigung. Meyer starb am 17.03.1901.

Die fünf mächtigen Kessel des Elektrizitätswerkes, beheizt mit der pausenlos auf dem Wasserweg angelieferten Kohle, versorgten das gesamte Lagerhausviertel und trieben somit nicht weniger als 36 Kräne und Hebebühnen, 50 Treppenaufzüge und 260 Winden an.

Den schweren Schäden des Zweiten Weltkrieges fiel auch das Kesselhaus zum Opfer – unter Anderem fielen die beiden Schornsteine – und wurde vorerst nur notdürftig wieder instandgesetzt, bis der Betrieb des Elektrizitätswerkes 1954 eingestellt wurde.
Es befand sich für fast 50 Jahre in der Vergessenheit, bevor auf Initiative der HHLA (Hamburger Hafen und Lagerhaus AG) 1999 das Architekturbüro Gerkan, Marg + Partner (GMP) mit der Wiederherstellung beauftragt wurde.

Im Zuge dieser 2001 abgeschlossenen Arbeiten wurden auch die eingangs erwähnten Drahtkorb-Konstruktionen als Erinnerung an die ehemals aus Ziegelstein gemauerten Schornsteine errichtet, deren Rekonstruktion trotz des Gedanken des Denkmalschutzes nicht als sinnvoll und durchführbar erachtet wurde.

Das 2002 mit dem Preis für Denkmalpflege ausgezeichete Kesselhaus beherbergt zur Zeit das Hafencity-Infocenter, wo dem Besucher neben einem 8 x 4 Meter großen Modell der im Entstehen begriffenen Hafencity (Maßstab 1:500) eine Vielfalt an Informationen an diversen multimedialen Info-Stationen sowie eine Video-Installation in einem ehemaligen Schornstein-Stumpf – dem nun sogenannten “Leuchtturm” – zur Information angeboten wird.  Für das leibliche Wohl ist in dem Gebäude zudem ein kleines Bistro untergebracht.

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