Schleuse Kasenort

In der Wilstermarsch befindet sich mit 354 Zentimetern unter NormalNull die tiefste Landstelle Deutschlands – kein Wunder also, dass man sich seit dem 15ten Jahrhundert mit Deichen, Sperrwerken und Schleusen vor den Wassermassen aus Stör und Elbe schützen wollte.

Die Wilsterau, ein nordwestlicher Nebenfluss der Stör, war seinerzeit die wichtigste Verbindung zur Aussenwelt, bis 1852 eine Chaussee nach wilster gebaut wurde.

Zwischen der Gemeinde Burg, der Stadt Wilster und der Stör waren Ende des 16ten Jahrhunderts 26 Schiffe beheimatet, die mit Rogen, Käse und Tuchen bis nach England, Norwegen und Spanien fuhren und mit grossen Mengen an Bauholz zurückkehrten.
Um die das Jahr 1900 herum hatten sogar über 50 Schiffe Wilster als Heimathafen.

Ein Nadelöhr stellte die nur vier Meter breite und in den Deich hinein gebaute Holzschleuse Schleuse Kasenort 2,5 Kilometer von Wilster entfernt dar. 1925/1926 wurde deshalb nebenan eine nach oben offene Schleuse aus Stein gebaut, die mit 670 cm Breite bei 126 Metern Länge und dank einer Klappbrücke auch von grösseren Schiffen mit Masten ungehindert passiert werden konnte.

Letztlich ausschlaggebend für den Bau de neuen Schleuse war eventuell ein Vorfall aus 1920, als der Segelfrachter „Pirat“ die Tore der alten Holzschleuse blockierte, so dass die Marsch überflutet wurde.

Die Schleuse Kasenort hat gleichzeitig eine Entwässerungsfunktion: Wenn bei Ebbe der Wasserspiegel der Stör sinkt, drückt das Wasser der Wilsterau – die immerhin 3.500 Hektar Land entwässert! – die Tore der Schleuse auf.
Bei Flut müssen sie vom Schleusenwärter wieder geschlossen werden.

Bei starken Westwinden sinkt der Pegel der Stör nicht weit genug, so dass die Tore der Schleuse Kasenort geschlossen bleiben müssen.
Um eine dann drohende Überflutung der Wilsterau zu verhindern, wurde an ihrem Oberlauf ein Schöpfwerk gebaut, das die Entwässerung in den Nord-Ostsee-Kanal sicherstellt und somit die Schleuse Kasenort entlastet.

Gäbe es Schleuse und Schöpfwerk nicht, würden grosse Teile Wilsters überflutet werden. Das Amtsgebäude beispielsweise stünde über einen Meter tief im Wasser.

Geschleust wird in der Schleuse Kasenort nur nach Anmeldung und nur, wenn der  Wasserstand in der Stör höher ist als der in der Wilsterau.
Dazu werden die Tore des Oberhauptes geschlossen, und Schiffe können von der Stör in die Schleuse einfahren. Nach dem Schliessen der Tore des Unterhauptes wird das Wasser über Schotten in die Wilsterau abgelassen, bis der Wasserstand auf das Niveau der Wilsterau gesunken ist und die Tore des Oberhauptes geöffnet werden, damit die Schiffe ihre Fahrt in Richtung Wilster fortsetzen können.

Anders als heute war die Wilsterau einst ein Fluss mit recht kräftiger Strömung. Durch den Bau des Nord-Ostsee-Kanals wurde sie jedoch von ihren Quellen abgeschnitten (es entstanden Burger Au und Wilsterau), so dass sie heute erst östlich des Kanals beginnt und nach circa 19 Kilometern bei Kasenort in die Stör mündet.

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Übrigens streiten sich die Gelehrten, ob es nun „Wilsterau“ oder „Wilster Au“ heisst.
Mir persönlich erscheint eigentlich die zweite Variante aus dem Bauch richtiger, ich habe online aber deutlich mehr Quellen gefunden, in der die erste Schreibweise verwendet wird (wobei mir absolut bewusst ist, dass diese Tatsache natürlich so rein gar nichts belegt).
Es ist wohl so ähnlich wie mit dem Plural von „Kran“.

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