Rathaus Hamburg

Nachdem das alte Hamburger Rathaus an der Trostbrücke dem Großen Brand von 1842 zum Opfer gefallen war, wurde als Standort für den Neubau der Platz zwischen der Kleinen Alster und der (vom Feuer verschonten) Börse auserkoren – im Zuge der Bebauungspläne für die neu zu errichtende Innenstadt.
Von den ersten Entwürfen (im Rahmen eines Wettbewerbs und abgelehnt) 1854 bis zur Fertigstellung des Bauwerks 1897 vergingen dabei 43 Jahre – typisch deutsch, möchte man sagen ;-)

Die schliesslich angenommene Planung führte eine Gruppe Hamburger Architekten (unter Anderem Bernhard Hanssen, Leopold Lamprecht, Wilhelm Meerwein und Hugo Stammann) unter der Leitung Martin Hallers durch, der sogenannte “Rathausbaumeisterbund”.
Nach einigen Wettbewerben erstellten sie 1880 ohne Auftrag einen Entwurf, der dann angenommen und von 1886 an realisiert werden sollte.

Als eines der wenigen noch vollständig erhaltenen Bauwerke des deutschen Historismus wurde das Hamburger Rathaus als dreiflügliger Bau mit einer 111 Meter breiten Vorderfront und dem 112 Meter hohem Mittelturm aus Granit und Sandstein erbaut und mit einem Kupferdach versehen. Genau wie die berühmte Hamburger Speicherstadt ruht das Gebäude des sumpfigen Untergrundes wegen auf mehr als 4.000 Pfählen aus Eichenholz.

Ganz im Gegensatz zum sonst eher zurückhaltenden hanseatischen Stil wurden beim Entwurf des Rathauses norddeutsche und italienische Renaissance-Elemente an den Fassaden zu einer harmonischen Gesamtwirkung kombiniert. Zudem weist die Fassade an der dem Rathausmarkt zugekehrten Seite in den Nischen zwischen den Fenstern die Skulpturen von zwanzig Kaisern des alten Deutschen Reiches auf – angefangen bei Karl dem Großen bis hin zu Frankz II; das Eingangsportal wird von einem Mosaik mit der Stadtgöttin Hammonia geschmückt.

Auch in den mehr als 647 Zimmern des Rathauses setzt sich der hanseatisch-untypische “Pomp” fort. Herausragend ist dabei wohl der Festsaal mit 46 Metern Länge, 18 Metern Breite und 15 Metern Höhe: Neben fünf riesigen Gemälden zur Geschichte Hamburgs von 800 bis 1900 und 62 Stadtwappen des Hanse-Bundes wartet er mit drei riesigen Lüstern auf, deren jeweils 278 Lampen insgesamt 4.500 Kilogramm auf die Waage bringen.

Den Innenhof teilt das Rathaus sich mit der schon 1841 erbauten Börse, die beim Großen Brand von 1842 verschont geblieben ist. Der prächtige Hof mit seinem zentral gelegenen “Hygieia-Brunnen” ist vom Alten Wall und der Großen-Hohannis-Straße aus durch Torbögen erreichbar. Die dem Innenhof zugewandte Fassade des Rathauses beherbergt in 12 Metern Höhe die Skulpturen von sechs Bischöfen, die in der wechselvollen Geschichte der Hansestadt einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Hygieia, die weibliche Bronzefigur des Brunnens, ist ein Symbol für Gesundheit. Auf dem Brunnen tritt sie auf einen Drachen, der die Cholera-Epidemie aus dem Jahre 1892 verkörpern dürfte. Der Faktor Hygiene erfährt mit dem Brunnen auch eine ganz praktische Umsetzung: Bögen in seinem Sockel versorgen das Innere des Rathauses mit Frischluft.
Ursprünglich sollte der Brunnen übrigens – als Huldigung an die Börse – mit Merkur, dem römischen Gott des Handels geschmückt werden. Nach dem Wüten der Cholera, die tausende von Todesopfern forderte, entschied man sich aus Image-Gründen dann für die Göttin der Weisheit – umringt von Symbolen für die vielfältige Nutzung des Wassers.

Der Rathausmarkt auf der Ostseite des Rathauses – ehemals Versammlungsort und von zentraler Bedeutung für das Straßenbahn-Netz – wurde schon früh nach dem Großen Brand von 1842 angelegt und in seiner Anlage dem Markusplatz in Venedig nachempfunden, der sich genau wie die Hamburger “Kopie” auf elegante Weise zum Wasser hin öffnet.
Bis zum Jahr 1930 beherbergte der Rathausmarkt zwischen den beiden gewaltigen Fahnenmasten ein großes Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I., die heutzutage in der wunderschönen Park-Anlage von Planten und Blomen am Holstenwall zu bewundern ist.

Bis das Rathaus 1897 fertiggestellt wurde, hielt die Hamburger Bürgerschaft ihre Tagungen übrigens (nach einem Abstecher ins Waisenhaus in der Admiralitätsstraße) im Gebäude der “Patriotischen Gesellschaft” an der Trostbrücke ab – auf dem Areal des alten Rathauses.

Genau genommen – und überspitzt formuliert – ist die gesamte Anlage Rathaus und Rathausmarkt eine geschickte Blendung: Mit Freitreppe, Gestaltung der Kleinen Alster (Arkaden, Schleusenbrücke) und sonstigen Gebäuden wirkt dieser Ort wie das Produkt der Jahrhunderte währenden Entwicklung der stolzen Freien und Hansestadt Hamburg. Tatsächlich aber bleibt sie das relativ junge Produkt einer bis ins kleinste Detail durchdachten Gesamtplanung.

Die Stele direkt an der Kleinen Alster heisst offiziell “Denkmal für die Gefallenen beider Weltkriege”. Geschaffen und errichtet 1931 von Ernst Barlach und Klaus Hoffmann als Erinnerung an die Opfer des Ersten Weltkrieges, wurde es 1938 von den Nazis entfernt und durch die Skulptur eines aufsteigenden Adlers ersetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte die Rekonstruktion und Umwidmung des Ehrenmals, das seitdem das offizielle Gefallenen-Denkmal der Stadt Hamburgs ist.

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