Petrikirche zu Bosau

Ursprünglich als romanische Feldsteinkirche gebaut, thront die St. Petri-Kirche zu Bosau an dessen südlichen Ende über dem Grossen Plöner See.

Bosau war von 1150 bis 1156 Sitz des Bistums Oldenburg unter den Bischöfen Vicelin und Gerold. so dass diese Kirche ursprünglich sogar eine Bischofskirche war und somit durchaus zurecht als „Kleinster Dom der Welt“ bezeichnet werden darf.

Von 1151 bis 1152 liess Bischof Vicelin die Petri-Kirche als eine der vielen auch heute noch „Vicelinkirchen“ genannten Felssteinkirchen errichten, Material und Handwerker liess man aus Neumünster und Segeberg kommen.

Bischof Vicelin erlitt nur wenige Tage nach der Weihe der Kirche einen Schlaganfall, an dessen Folgen er zwei Jahre später starb. Sein Nachfolger Gerold verlegte den Bischofssitz 1160 oder 1163 nach Lübeck.

Wie die Petrikirche ursprünglich ausgesehen hat, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen – der Bauplan wurde bereits während ihrer Errichtung geändert, und auch später ist die Kirche mehrfach umgebaut worden.

Man geht heute davon aus, dass das Bauwerk urspünglich als dreischiffige Basilika errichtet wurde – Chor und Apsis entstanden erst circa 1200 nach Christus, als die Kirche zu einer Saalkirche umgebaut wurde.

Der ältesten noch erhaltenen Abbildung zufolge wurde die Petrikirche ursprünglich mit einem runden Turm errichtet, dessen Umrisse sich heute im Pflaster vor dem Eingang der Kirche finden.
Dieser Turm wurde 1627 während des Dreißigjährigen Krieges weitestgehend zerstört.

Für den Wiederaufbau entschied man sich für einen annähernd quadratischen Grundriss, zudem erhielt der Turm einen geschweiften Barockhelm statt des früher vorhandenen spitzen Helmkegels.

Beim Bau der Kirche wurden die Feldsteine in einer Verschalung aus Hols mit Gipsmörtel aus dem Segeberger Kalkberg ausgegossen – der Schein der weissen Oberfläche war über den Grossen Plöner See weithin sichtbar.

Als später grosse Teile der Gipsfläche verloren gingen und man das Mauerwerk mit Ziegeln ausbessern musste, versah man 1970 die Kirche mit einem einheitlichen weissen Kalkanstrich, um so ihr heutiges Erscheinungsbild an das der alten Zeiten anzupassen.

Wie viele alte Kirchen ist auch die Petrikirche in Bosau mit vielen kleinen Kunstschätzen ausgestattet, die oftmals aus Spenden von Gemeindemitgliedern stammen.

Der Flügel-Altar in der Apsis gilt heute als einer der ältesten und bedeutendsten in ganz Ostholstein, wenngleich das Erscheinungsbild der Schnitzkunst nicht mehr das ursprüngliche ist: Der originale Altaraufsatz befand sich an der Südwand der Kirche und verkam nach und nach.
Eine gut gemeinte Restaurierung hatte zur Folge, dass der historisch wervolle Aufsatz völlig umgestaltet wurde. So wurden fast alle Figuren vertauscht und umgesetzt, einige mussten sogar verändert oder neu geschaffen werden.

Das älteste Ausstattungsteil in der Kirche ist der Taufstein, der links vor der Apsis und dem Hauptaltar steht. Er besteht aus schwedischem Granit und stammt wahrscheinlich aus dem zwölften Jahrhundert.
Sein Sockel besteht aus von Gotland stammendem Kalkstein und wird etwas jünger eingeschätzt.

Beim Betreten der Kirche fällt das sehr detailreich ausgeschmückte Triumphkreuz vor dem Chorraumbogen sofort ins Auge.
Es wurde Anfang des letzten Drittels des 15ten Jahrhunderts in der Werkstatt des bekannten Lübecker Malers Bernt Notke gefertigt und zeigt die Hinrichtung Jesus am Kreuz.
Aus dem Kopf des Hingerichteten wachsen Lilien, die seine Reinheit und Unschuld symbolisiere sollen. Das aus seinen Wundmalen strömenden Blut wird von vier ihn umschwebenden Engeln aufgefangen.
An den vier Enden der Kreuzbalken finden sich die Sinnbilder der  Evangelisten Matthäus (ein geflügelter Mensch), Markus (ein Löwe), Lukas (ein Stier) und Johannes (ein Adler).
Aus den Kreuzbalken herauswachsendes Blattwerk soll diese als Baum des Lebens stilisieren und so auf den Sieg Jesus‘ über den Tod hinweisen.

Als das Triumphkreuz Anfang des 20sten Jahrhunderts einer Restaurierung unterzogen wurde, entdeckte man im Kopf der Christusfigur fünf Reliquen, jeweils mit einer auf einem Pergamentstreifen verfassten Bezeichnung versehen.
Demnach stammen die Knochensplitter von den Elftausend bei Köln gestorbenenen Jungfrauen sowie den Heiligen Mauritius, Maternianus und Laurentius.
Eine weitere Reliquie neben den Knochensplittern ist ein kleiner Kalkstein, der vom Berg Tabor in Palästina stammen soll, an dem drei Aposteln Jesus mit dem Propheten Elija und Mose erschienen sein soll.

Die mit vielen Schnitzereien verzierte Kanzel der Kirche St. Petri stammt aus dem Jahre 1636, also noch aus dem Dreissigjährigen Krieg – erstaunlich angesichts der schweren Beschädigungen der Kirche aus dem Jahr 1627.
Eine 1734 von einem Mitglied der Gemeinde gestiftete Sanduhr, die auf der Brüstung der Kanzel steht, soll die Länge der Predigt vorgeben.

 

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