Kaiser Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck

Nur wenige Wochen nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. (1888) wuchs sowohl in staatlichen wie auch privaten Bereichen der Wunsch, dem Kaiser ein Denkmal zu richten, um ihn für die in drei Kriegen (1864, 1866 und 1871) erkämpfte Deutsche Einigung zu ehren.

Aus den vielen vorgeschlagenen Standorten entschied sich der junge Kaiser Wilhelm II. 1891 für die Stelle in Koblenz, an der Mosel und Rhein zusammenfliessen – um somit die Verbindung einerseits Wilhelms I (der hier 1849 bis 1857 als Militärgouverneur vor seiner Krönung zum preußsischen König gelebt hatte) und andererseits der Verbindung der Stadt zum Hause Hohenzollern (einer der Hochmeister des am Deutschen Eck ansässigen Deutschen Ordens war als erster Hohenzoller zum Herzog von Preußen geworden) zu würdigen.

Darüber hinaus hatte dieser Standort eine symbolische Bedeutung, stellte er doch zusammen mit der am preußischen Ufer errichteten Festung Ehrenbreitstein eine „Wacht am Rhein“ gegenüber Frankreich, deren linksrheinischen Gebiete nach dem Wiener Kongress 1814/1815 an kleine Nachfolgerländer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen und somit ans spätere Deutsche Reich zurückfielen.

Der Rhein wurde als deutsches „Nationalgut“ verstanden, was somit militärisch durch die Festung als auch symbolisch durch das Denkmal gefestigt und unterstrichen werden konnte.

Das für die Errichtung des Denkmales erforderliche Gelände schuf man durch Zuschüttung des hier bestehenden Hafens, und in einer nationalen Sammlung wurde das für den Bau nötige Budget in Höher von einer Million Mark beschafft, und das „Kaiser Wilheim I-Denkmal der Rheinprovinz“ konnte gebaut und am 31. August 1897 feierlich in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. Eingeweiht werden.

Es dauert nicht lange, bis der Begriff „Deutsches Eck“ nicht mehr für das Gelände des Deutschen Ordens, sondern für das Areal des neuerrichteten Denkmals verwendet wurde.

Das insgesamt 37 Meter hohe Denkmal beruht auf Plänen des Architekten Bruno Schmitz, der auch das Völkerschlacht-Denkmal in Leipzig, das Kaiser Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica und Das Kyffhäuserdenkmal entworfen hat.

Das 14 Meter hohe, den Kaiser in der Uniform eines Generals und mit wallendem Mantel zeigende Reiterstandbild stammt vom Bildhauer Emil Hundrieser.

Mit Reiterstandbildern werden seit jeher nur Menschen geehrte, die militärisch oder politisch Außergewöhnliches geleistet hatten – das Pferd gilt hier geschichtlich bedingt als Herrscherattribut und soll hier zudem eine gewisse Dynamik erzeugen, um somit die Ausstrahlung des Standbilds und des dargestellten Menschen zu unterstreichen.

Dem Reiter im Kaiser Wilhelm I.-Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz ist ein sogenannter „Genius“ (ein sogenanntes „Geisterwesen“) in Gestalt einer jungen Frau zur Seite gestellt – eigentlich unüblich bei einem Reiterstandbild, aber bei einem ungefähr zur gleichen Zeit in Berlin entstandenen Kaiser Wilhelm-Reiterstzandbild ebenfalls vorhanden.

Führt die Dame in der Berliner Version allerdings noch das Pferd am Zügel, wurde die Version in Koblenz den Wünschen Wilhelm II folgend geändert, so dass die webliche Begleitfigur lediglich noch die Kaiserkrone trägt. Der junge Kaiser wollte damit betonen, dass sein Großvater dank des Willen Gottes siegreich war – und nicht etwa von einem mythologischen Wesen zum Sieg geführt wurde.

An der Vorderseite des Denkmals findet sich als Relief ein Schlangen packender und Feinde bedrängender Reichsadler, überschrieben mit „Wilkelm dem Großen“ – ein (erfolgloser) Versuch des jungen Kaisers, diesen Titel für seinen Großvater populär zu machen.

Auf dem oberen Teil des Sockels finden sich Zeilen aus dem „Frühlingsgruß an das Vaterland“ von Max von Schenkendorf, einem Koblenzer Dichter: „Nimmer wird das Reich zerstöret, wenn ihr einig seid und treu!“

Das Denkmal hatte eine spezielle Bedeutung für das Volk.
Als nach dem ersten Weltkrieg die letzten Besatzungskräfte im November 1929 die Stadt verlassen hatten, versammelten sich viele tausend Koblenzer am „Deutschen Eck“, um das Hissen der Reichsflagge auf der Festung Ehrenbreitstein zu verfolgen.

Im Juli 1930 wurde am Denkmal das Ende der allierten Rheinlandbesetzung gefeiert.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten kam es zu einer Katastrophe, als nach eine Pontonbrücke unter dem Gewicht zu vieler Menschen einstürzte und so 38 Todesopfer forderte.

Von den schweren Verwüstungen der Koblenzer Innenstadt bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrief blieb das Denkmal auf dem Deutsche Eck weitestgehend verschont, während die nicht weit entfernte Kastorkirche und auch das Deutschherrenhaus Opfer der Flammen wurden.

Kurz vor Ende des Krieges allerdings geriet die Stadt unter Beschuss der scih von der Eifel her nähernden US-amerikanischen Artillerie, und am 16. März 1945 wurde auch das Reiterstandbild von einer Granate getroffen. Gerüchte, dass Dwight D. Eisenhower dies explizit befohlen habe, konnten nie bewiesen werden.

Das zum Rhein hin vom Sockel gekippte Denkmal wurde schnell das Opfer von Kupferdieben, bis es schliesslich komplett abgebaut und zum grössten Teil eingeschmolen wurde. Nur Teile der Figurengruppe, unter Anderem der heute in einem Koblenzer Museum ausgestellte Kopf des Kaisers, tauchten später wieder auf.

Pläne der französischen Militärregierung, auch den Sockel abzutragen und an seiner Stelle ein neues Denkmal für Frieden und Völkerverständigung zu errichten, konnten wegen Geldmangel nicht umgesetzt werden.

Am 18. Mai 1953 wurde der verbliebene Sockel von Bundespräsident Theodor Heuss umgewidmet zum „Mahnmal der Deutschen Einheit“. Um diese Einheit zu demonstrieren, wurden die Wappen aller deutschen Bundesländer sowie der ehemaligen Ostgebiete wie Schlesien, Ostpreußen und Pommern angebracht (vier Jahre später folgte das Saarland), den Platz des Reiterstandbildes nahm ein Flaggenstock mit der Bundesflagge ein.

Am 3. Oktober 1990 wurde die Wappenreihe durch die neuen fünf Bundesländer ergänzt.

Bereits Ende 1987 hatte ein Mäzen sich zur Finanzierung der Rekonstruktion des Reiterstandbilds verpflichtet und gründete dazu die Bürgerinitiative „Deutsches Eck e.V.“, jedoch lehnte das Land Rheinland-Pfalz dieses Geschenk Anfang 1988 ab unter dem Hinweis, dass es auch zukünftig ein „Mahnmal der Deutschen Einheit“ bleiben müsse.

Wie eine wenig später vom Mäzen in Auftrag gegebene Meinungsumfrage ergab, sahen 80% aller Koblenzer Bürger dies anders und wünschten einen Neubau des Reiterstandbildes.

Im Februar gaben die Stiftung und der Zeitungsverleger Werner Theisen bei Raimund Kittl, einem Metallbildhauer aus Düsseldorf, die drei Millionen Mark teure Figurengruppe in Auftrag – obwohl keine Einigung mit dem Land erzielt worden war.

Anders als das aus Kupferplatten gebaute Original vewendete der Düsseldorfer Bildhauer für seine Rekonstruktion widerstandsfähigeren Bronzeguss.

Durch die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 hatte das Mahnmal endlich seinen Sin verloren, so daß die Landesregierung ihre Meinung änderte und im September des Jahres das Geschenk annahm.

Nach einem Regierungswechsel von CDU zu SPD kam es neben Bestrebungen, diese Zusage zu widerrufen auch zu kontroversen Diskussionen in der Bevölkerung: Sahen die einen eine Aufwertung des Stadtbildes und grossen touristischen Nutzen, kritisierten andere den nicht mehr zeitgemässen „Kaiserkult“, den die Wiedererrichtung des Standbilds bedeuten würde.

Die Landesregierung zog sich schliesslich aus der Bredouille, indem sie die Landzunge im Mai 1992 der Stadt Koblenz zum Geschenk machte und somit die Verantwortung abwälzen konnte.

Fast gleichzeitig war das neue Standbild über den Wasserweg in Koblenz eingetroffen, so daß nun die Führung der Stadt unter grossem Druck stand und nach einem Monat schliesslich das Geschenk annahm.

Über ein Jahr später, am 2. September 1993, wurde die bis dahin im Koblenzer Rheinhafen „geparkte“ Skulptur schliesslich vom grössten fahrbaren Gittermastkran Europas auf den Sockel des Denkmals an „seinen“ alten Platz gestellt – am „Sedantag“, dem Tag der Kapitulation von Kaiser Napoleon, was bei den Nachbarn in Frankreich für etwas Unruhe sorgte.

Am 25. September 1993 – über vier Monate nach dem Tod des Stifters – schliesslich wurde das wiederhergestellte Denkmal endlich eingeweiht und gehört heute zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Region.

Als Mahnmal der deutschen Einheit dienen heute drei Elemente der ehemaligen Berliner Mauer, die einer Inschrift auf einer Bronzetafel zufolge den Opfern der Teilung gewidmet sind und schon 1990 am Ufer der Mosel aufgestellt worden waren.

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