Feuerschiff Elbe 1

Wenn der unbedarfte Ausflugs-Schiffe-Gucker von „Feuerschiff Elbe 1“ spricht, meint er in den meisten Fällen eigentlich das Feuerschiff „Bürgermeister O’Swald II“, das mittlerweile als Museumsschiff in Cuxhaven an der „Alten Liebe“ liegt.

Die Bezeichnung „Elbe 1“ nämlich, die in grossen weissen Lettern auf dem roten Rumpf dieses Schiffes steht, ist nicht etwa ein Schiffsname, sondern vielmehr die Bezeichnung für eine Feuerschiffs-Positon – genauer gesagt eine Positon vor der Elbmündung, zuletzt nur noch „Elbe“ genannt.

Das in Cuxhaven liegende Schiff „Bürgermeister O’Swald II“ war das letzte bemannte Schiff in einer Reihe von insgesamt vierzehn Feuerschiffen auf dieser seit 1816 besetzten Position. Von 1948 bis 1988 lag die „Bürgermeister O’Swald II“ hier; nach ihr folgte ein unbemanntes Feuerschiff, das schliesslich im Januar 2000 durch eine Leuchttonne ersetzt worden ist.

Die „Bürgermeister O’Swald II“ war 1935 für 1,5 Millionen Reichsmark bei der Meyer-Werft in Papenburg in Auftrag worden und war bei seinem Stapellauf 1943 mit einer Länge von 57,3 Meter  bei 9,55 Metern Breite und 4,72 Metern Tiefgang das grösste Feuerschiff der Welt. Benannt wurde es nach William Henry O’Swald, einem auf den Gebieten Handel, Schiffahrt und Gewerbe verdienten Hamburger.

Das Feuerschiff wurde mit einer Motorleistung von 500 PS gebaut; 1970 wurde auf eine 650 PS-Maschine umgerüstet.

Als es im Dezember 1948 nach Probefahrten, Auslegung und endgültiger Abnahme in Dienst gestellt wurde, arbeiteten 27 Mann in drei Schichten zu je neun Mann an Bord. Bis zur Ausserdienststellung 1988 war die Crew mittlerweile auf 12 Mann verkleinert worden, die im zweiwöchtigen Wechsel ihren Dienst verrichteten.

Seit 1990 liegt die „Bürgermeister O’SWald II“ als Museumsschiff in Cuxhaven und ist heute im Besitz der Stadt, die es einem Trägerverein zur Restauration, Wartung und Betrieb als Museum übergeben hat.

Das Schiff ist seetüchtig und mit modernen nautischen Geräten ausgestattet und auf vielen Festen entlang der Nordseeküste zu Besuch; auch für standesamtliche Trauungen steht es zur Verfügung.

Die letzte „Elbe 1“ ist übrigens auch das meist-gerammte Feuerschiff Europas: Mehr als 50 Mal in ihren über vierzig Jahren Dienstzeit wurde die „Bürgermeister O’Swald II“ von anderen Fahrzeugen touchiert. Der schwerste Fall ereignete sich 1970, als ein argentinischer Frachter das Feuerschiff rammte und dabei beinahe versenkte. Sieben Monate war das Schiff wegen 1,5 Millionen DM teurer Reparaturen damals ausser Gefecht.

Noch eine kurze Information für Leuchtturm-Fans: Die auf der „Bürgermeister O’Swals II“ eingesetzte Optik war eine von der Firma Wilhelm Weule in Goslar gefertigte Gürtellinse, deren 2000 Watt starke Lampe von einer Feuerhöhe von fünfzehn Meter 23 Seemeilen weit trug. Die Kennung war „Fünf Sekunden hell – Fünf Sekunden dunkel“.

Zusätzlich war das Feuerschiff mit einem „Luft-Nebel-Schallsender“ ausgestattet, der im Bedarfsfall die Morsezeichen kurz-kurz-lang-kurz-kurz sendete.

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