Deutsches Eck

Genau genommen Kaiser Wilhelm der Erste ist es, hier als eines von insgesamt 63 ihn zeigenden Reiterstandbildern auf dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal am „Deutschen Eck“ in Koblenz zu sehen.
1897 wurde dieses Denkmal auf einer künstlichen Landzunge an der Mündung der Mosel in den Rhein als Gedenken an die Reichsgründung von 1871 errichtet.

Doch von vorne: Ursprünglich hiess die Stelle, an der die Mosel in den Rhein mündet, „Deutscher Ordt“. Erst später wurde daraus „Deutsches Eck“.
Hier hatten die Ritter des „Deutschen Ordens“ auf einem vom Erzbischof Theoderich von Wied an den Orden geschenkten Stück Land die Kastorkirche samt einem ihr zugehörigen Krankenhaus errichtet. Der Sinn dahinter war klar: Durch die Ritter sollte die Krankenpflege vor Ort sichergestellt werden.

Wie eingangs schon erwähnt, handelt es sich bei dem heutigen „Deutschen Eck“ um eine künstlich errichtete Landzunge. Dabei wurde das den Rittern geschenkte Gebiet mit einer Sandbank verbunden, um so einen kleinen Hafen zu schaffen.  Im Volksmund wurde diese Verlängerung des Hunsrück bald „Hundeschwanz“ (lokal: Honsschwanz) genannt.

Nach dem Tode Kaiser Wilhelms I. (1888) kam schnell in mehreren Bevölkerungsgruppen und -schichten die Idee auf, dem Monarchen als Huldigung und Dank für die in drei Kriegen erkämpfte Einigung Deutschlands (1864, 1866 und 1971) ein Denkmal zu bauen. Der junge Wilhelm II. entschied sich unter den vielen Bewerbern schliesslich 1891 für Koblenz.
Nach Durchführung einer nationalen Sammelaktion und Zuschütten des Hafens zur Geländegewinnung wurde das Kaiser Wilhelm I-Denkmal als Reiterstandbild (eine Ehre, die nur Menschen mit außergewöhnlichen Verdiensten zuteil wurde) errichtet und 1897 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht.

Es dauerte nicht lange, und der Begriff „Deutsches Eck“ wurde nicht mehr für das Areal des Ritterordens, sondern für den Standort des nach Plänen von Bruno Schmitz (u.A. das Kaiser Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica, das Kyffhäuserdenkmal und das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig) und Emil Hundrieser (speziell das vierzehn Meter hohe Reiterstandbild) errichteten Denkmals verwendet – wie es noch heute der Fall ist.

Im Zweiten Weltkrieg war Koblenz das Ziel schwerer Luftangriffe, die neben der Verwüstung der Innenstadt auch zur Zerstörung der Kastorkirche und des Deutschherrenhaus des Ritterordens durch Feuer führte. Das Deutsche Eck blieb dabei fast komplett verschont.

Erst kurz vor Kriegsende – am 16. März 1945 – wurde das Standbild von einer amerikanischen Granate getroffen. Ob dies Zufall war oder – wie manche behaupten – auf Geheiss Eisenhowers geschah, ist ungeklärt.
Nach der Zerstörung des Denkmals fielen dessen Reste schnell Plünderern zum Opfer. Einige Teile tauchten später in Museen auf – so zum Beispiel der Kopf des Kaisers, der heute in einem Koblenzer Museum gezeigt wird.

Nach dem Krieg plante die französische Regierung zuerst, auch den Sockel zu demontieren und stattdessen ein Mahnmal für Frieden und Völkerverständigung zu errichten. Dieser Plan wurde aus finanziellen Gründen jedoch nicht umgesetzt.
Im Mai 1953 wurde der noch bestehende Sockel des Denkmals durch Bundespräsident Theodor Heuss zum Mahnmal der Deutschen Einheit umgewidmet. In diesem Zuge brachte man am Sockel die Wappen aller deutschen Länder (auch der ehemaligen Ostgebiete Ostpreußen, Schlesien und Pommern) an; vier Jahre später durch das Saarland ergänzt.
Anstelle des Reiterstandbilds wurde eine Bundesflagge gehisst.
Nach der Öffnung der Berliner Mauer wurde das Denkmal um drei Betonelemente der Mauer und am 3. Oktober 1990 durch die Wappen der neuen Bundesländer ergänzt.

Eigentlich aber hatte das Mahnmal durch die Wiedervereindigung seine Bedeutung verloren. So kam es schnell zu Diskussionen über eine Neugestaltung des Deutschen Ecks.
Nach vielem Für und Wider und der Bereitschaft zur Kostenübernahme durch die Stiftung eines vermögenden Koblenzer Ehepaares entschied man schliesslich, die ursprüngliche Skulptur (oder genauer: Skulpturengruppe) nachzubilden.

Der Düsseldorfer Bildhauer Raimund Kittl erhielt den Auftrag, und am 25. September 1993 schliesslich wurde das diesmal aus widerstandsfähigem Bronzeguss hergestellte Standbild feierlich eingeweiht.
Die drei Betonelemente der Berliner Mauer sind erhalten und erinnern als Mahnmal der Deutschen Einheit an die Zeit der Teilung Deutschlands.

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