Dampf-Eisbrecher Stettin

Der kohlebefeuerte Dampf-Eisbrecher „Stettin“, August 1932 bis November 1933 von den Oderwerken in Stettin für die dortige Industrie- und Handelskammer gebaut, liegt heute Museumsschiff mit dem Status eines technischen Kulturdenkmals im Museumshafen Oevelgönne in Hamburg-Altona.

Das seinerzeit für fast 600 Reichsmark gebaute Schiff sollte den Seeweg von der stark von der Seefahrt abhängigen Stadt Stettin nach Swinemünde sowie die Zufahrten zum Stettiner Haff in den strengen Wintern eisfrei halten.

Die „Stettin“ wurde mit dem in Finnland entwickelten „Runeberg-Steven“ entwickelt – mit dem sich das Schiff nicht nur auf das Eis schiebt, um dies durch sein Gewicht zu zerdrücken, sondern es geradezu zu schneiden.

Eigentlich waren zur Bauzeit des Schiffs Dieselmotoren schon lange bekannt – der Eisbrecher wurde trotzdem mit einer Dampfmaschine ausgerüstet. Und dies nicht nur, um den Vorteil des extrem schnellen Wechsels (angeblich innerhalb von drei Sekunden) von Vorwärts- auf Rückwärtsfahrt auszunutzen, der beim Manövrieren im und gegen das Eis nützlich war.
Die Verwendung einer Dampfmaschine hatte noch einen weiteren Grund: Die das Schiff bereedernde Gesellschaft betrieb im Sommer einen Fahrgastdienst entlang der Seebäder der Ostseeküste. Und deren Schiffe waren allesamt mit Dampfmaschinen ausgerüstet – somit musste das technische Personal beim Wechseln auf die Stettin sich nicht an eine andere Technik gewöhnen.

Die knapp 52 Meter lange und etwas mehr als dreizehn Meter breite „Stettin“ mit ihrem Tiefgang von bis zu sechs Metern konnte Eisplatten von bis zu 0,5 Metern brechen und dabei trotzdem noch eine Fahrt von circa 2 Knoten beibehalten.
Auch stärkere Eisschichten waren kein Problem – hier wurde einfach in mehreren Anläufen gegen das Eis gefahren, so dass es irgendwann nachgab.

Das Schiff war mit diversem Zubehör wie Schlepphaken, Winden und Pumpen ausgerüstet, so dass es mit seinen dreissig Mann Besatzung auch als Bergungsschiff einsetzbar war.

Bis 1945 wurde das Schiff von der Stettiner Reederei J.F. Braeunlich auf der Oder und Ostsee eingesetzt, unterbrochen von einem Kriegseinsatz im April 1940, als die „Stettin“ das Minenschiff „Hansestadt Danzig“ und andere Boote nach Kopenhagen begleitete, wo deutsche Truppen angelandet wurden.

Nach dem Krieg war die „Stettin“ für das Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg auf der Elbe im Einsatz, wenn sie nicht an ihrem Liegeplatz am Bauhof Wedel lag.

1981 war der Betrieb des Dampf-Eisbrechers unwirtschaftlich geworden, und die Verschrottung stand der „Stettin“ bevor.
Nur die Bildung eines Fördervereins und die Hilfe großzügiger Sponsoren konnte dies verhindern, und so wird der Dampf-Eisbrecher als technisches Kulturdenkmal unter tausenden Stunden freiwilliger Arbeit am Leben und im Schuss gehalten.

In den Sommermonaten steht das Schiff für bis zu 180 Passagiere auf Fahrten auf der Elbe oder durch den Nord-Ostsee-Kanal zur Verfügung; darüber hinaus ist die „Stettin“ auf vielen maritimen Veranstaltungen (Hafengeburtstag Hamburg, Kieler Woche, Flensburger „Dampf Rundum“, Hanse-Sail in Rostock) ein gern gesehener Gast.

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