Borussia Dortmund

Eines der wahrscheinlich meistfotografierten Containerschiffe (jedenfalls in deutschen Gefilden) – und gleichzeitig das wohl berühmteste Exemplar des „Sietas Typ 160“ der gleichnamigen traditionsreichen Werft in Hamburg-Neuenfelde – dürfte sicherlich das Schiff „Borussia Dortmund“ von der Reederei Rudolf Schepers in Haren/Ems gewesen sein.

Von dieser durch Kapitän Rudolf Schepers im Jahr 1989 gegründete Reederei wurde das Schiff 1998 als drittes Schiff bei der Sietas-Werft gekauft, und wäre der damals zehnjährige Sohn des Firmengründers nicht im letzten Moment auf die Idee gekommen, dem Neubau statt wie geplant „Rudolf“ auf den Namen seines Lieblings-Bundesliga-Clubs zu taufen, wäre das Schiff wohl kaum auf seinen heutigen Bekannheitsgrad gekommen.

So aber fand die Idee des jungen Schepers Gehör, und das Schiff bekam einen schwarzen Rumpf und schwefelgelbe Aufbauten – die Farben des Fußballvereins „Borussia Dortmund“.
Die Geschichte des ungewöhnlichen Namens und die Verknüpfung zum Bundesliga-Club fanden sich denn auch im Taufspruch wieder.

Meinen Recherchen zufolge war das in Limassol registrierte Frachtschiff seinerzeit das erste Exemplar und somit „Typschiff“ des neuen Schiffstyps der Sietas-Werft.
Mit seiner Länge von fast 122 Metern bei etwas mehr als 18 Metern Breite kann das Schiff bis zu 700 Container („TEU“, „Twenty Foot Equivalent Unit“, zu deutsch etwa „Standardcontainer“) transportieren und ist sowohl für Kühlfrachten als auch den Transport von Gefahrgut ausgelegt.

Die „Open Top Container Vessel“ genannte Bauart besteht dabei aus drei offenen und einem geschlossenen Laderaum, wobei ungefähr 38% der Container an Dreck gelagert sind, während 47% in den offenen Laderäumen und 15% im geschlossenen Laderaum stehen.

Die 7.208-Diesel-Maschine beschleunigt das mit einer hohen Eisklasse gebaute Schiff auf bis zu 16,5 Knoten, was ungefähr 31 km/h entspricht. Angetrieben wird das Schiff dabei von einem Verstellpropeller; bei An- und Ablegemanövern kommen ein Beckerruder (hier kann die Hinterkante des Ruders als zusätzliche „Flosse“ umgelegt werden, patentiert von Becker Marine Systems in Hamburg-Harburg) und ein 550kw-Bugstrahlruder unterstützend zum Einsatz.

Den Angaben auf der Website der Reederei zufolge fährt die MS Borussia Dortmund derzeit unter der Charter von Contenemar SA Madrid.
Dabei verkehrt sie meistens zwischen Rotterdam und St. Petersburg sowie Klaipeda und ist somit ein häufiger Gast im Nord-Ostsee-Kanal – sicherlich einer der Gründe dafür, dass dieses Schiff bei Fotografen sehr beliebt ist.

Ein Schwesterschiff der „Borussia Dortmund“ hiess übrigens „Werder Bremen“, wurde aber 2012 im Zuge eines Verkaufs auf „Skyline“ umgetauft und scheint nun im Mittelmeer zwischen Griechenland und Ägypten zu pendeln.

Der Schiffstyp „Sietas Typ 160“ war eines der erfolgreichsten Modelle dieser Werft und hatte sich schnell zu einer Art „Standardschiff“ im innereuropäischen Container-Zubringerdienst entwickelt.
Aus ihm entstand der „Sietas Typ 168“, der mit knapp 134 Metern Länge (in einer sechs Mal gebauten Variante – 168V – sogar 149 Meter) Platz für bis zu 862 (1.008 im Fall der 168V) Standardcontainer bot, bevor er nach 52 gebauten Exemplaren im Jahre 2006 dann durch den abermals grösseren Typ 178 ersetzt wurde.

Die „Aurora“, ein durch seine verschiedenen Blautöne ebenfalls sehr bekanntes Schiff, ist vom Typ 168 und gehörte ebenfalls der Reederei Rudolf Schepers.

Nachdem die „Borussia Dortmund“ seit Juni 2015 vor Bremerhaven auflag, wurde sie im November des Jahres von der Reederei Scheepers für einen überlieferten Preis von ungefähr zwei Millionen Dollar an das auf Zypern ansässige Unternehmen Salamis Lines verkauft.

Das Schiff fährt unter Beibehaltung des Schwarz-Gelben Anstrichs seitdem unter dem neuen Namen „Alasa“ jeweils Samstags von Piräus über Limassol nach Haifa.

 

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