Fridays for Future

Man lernt doch nie aus – erst recht nicht über Menschen, mit denen man eigentlich schon etwas länger zu tun hat.

So präsentierte gestern ein Bekannter aus meinem „Football-Leben“ in einem sozialen Netzwerk ganz stolz den „FUCK YOU GRETA!“-Aufkleber, den er sich über den Auspuff seines neuen Siebener-BMW geklebt hat.

Darauf angesprochen, gab er zu Protokoll, dass er gegen eben jene junge Dame persönlich ja gar nichts habe und dass sein Groll sich eigentlich gegen Andere richte.
Der Aufkleber bliebe aber trotzdem ´drauf, weil das nun einmal seine Meiunng sei.

Das ist das Schöne heutzutage: Jeder darf jederzeit frei und selbstbestimmt dokumentieren, wie unglaublich dumm sie oder er ist.

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Und zur eigentlichen Problematik?
Was ist zu tun und wie ist es zu tun?

Ach, ich kann und will nicht behaupten, dass ich wüsste, was nun richtig wäre.

Elektromobilität kann nach derzeitigem Stand der Dinge (jedenfalls soweit ich es weiß) nicht die Rettung sein, wenn man nicht gerade kurzsichtig sein will. Ganz abgesehen von den durch den Bau der Stromspeicher verursachten Folgen für die Umwelt sind die Dinger für längere Reisen schlicht und einfach ungeeignet.

Öffentliche Verkehrsmittel – ja, das wäre es.
Wenn ihr Netz denn gut genug ausgebaut und ihre Zuverlässigkeit höher wäre.
Alleine für mich – wohnhaft am Hamburger Stadtrand – wäre der Weg zur Arbeit per ÖPNV eine kleine – und lange – Weltreise.
Wieso sollte ich mir das zumuten, wenn ich mit dem eigenen PKW in zwanzig Minuten und nach nur 15 Kilometern dort bin?

Und auch wenn mein Bewegungsradius verglichen mit früheren Zeiten deutlich kleiner geworden ist, so hätte ich doch trotzdem gerne weiterhin zumindest die Möglichkeit, jederzeit irgendwohin zu fahren.

Ja, das ist egoistisch, bequem und faul. Das weiß ich.

Und ich weiß sehr wohl, dass eine erfolgreiche Wende in Klima- und Umweltschutz im Kleinen anfangen muss, bei jedem selber.

Ich glaube, dass Stadtbewohner hier der verfügbaren Fortbewegungs- und Einkaufsmöglichkeiten wegen deutlich bessere Mittel haben, wo nicht nur ein viel besseres ÖPNV-Netz angeboten wird, sondern auch viele Einkaufsmöglichkeiten fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichbar sind.

Je weiter du von einem Stadtkern entfernt lebst, desto schwerer wird es nun einmal, auf eigene PKW zu verzichten. Und betrachtet man das Sterben der kleinen Märkte und Hausarztpraxen, ist hier keine Besserung in Sicht, sondern eher noch das Gegenteil zu erwarten.

Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob wir wirklich zu retten sind.

Und – um den Kreis zu schließen und wieder zu Menschen wie den oben erwähnten Bekannten zurück zu kommen – ob wir überhaupt gerettet werden sollten …

Eine Antwort auf Fridays for Future

  • Ich bin schon der Meinung, dass etwas passieren sollte bzw. muss und dass dabei jeder irgendwie zum Handkuss kommt. Aber solange die Agrarwirtschaft und die Industrie ungehindert tun und lassen können, was sie wollen, weil sie sich mit Ablasspapieren freikaufen dürfen, solange bin ich nicht bereit, mein Leben mehr zu verändern, als ich es aus Vernunft ohnehin schon tue.
    Und wenn Staatenlenker so hirnverbrannt sind, dass sie Klimaschutz leugnen oder Wälder abbrennen, so lange darf auch ich mich dumm stellen.
    Ich würde aber nie andere Menschen, die sich für den Schutz der Welt engagieren, deswegen diffamieren.

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