Falschparker denunziert und zur Kasse gebeten

.

„Falschparker denunziert und zur Kasse gebeten“ – so war in der gestrigen Ausgabe der lokalen Tageszeitung ein Artikel überschrieben, der sofort meine Aufmerksamkeit erregte.

Zusammengefasst ging es in diesem Artikel um einen Verkehrsteilnehmer, der beim Falschparken von einem Anwohner mittels einem Handyfoto angezeigt wurde.

Dabei empören der Falschparker und die Autorin des Artikels sich geradezu über diese Anzeige. Immerhin habe der Mann ja nur ganz kurz im Halteverbot gestanden und sei dabei auch im Fahrzeug sitzen geblieben (er wollte seiner Frau für deren Besorgung im lokalen Einzelhandel einen möglichst kurzen Fußweg ermöglichen, was im Prinzip niemand besser als ich faule Sau versteht), was der ihn verpetzende Anwohner aber nicht habe sehen können, weil er ihn ja einfach so gemütlich aus dem Fenster seiner im Obergeschoss befindlichen Wohnung heraus fotografiert hat. Und so würde er das Bußgeld zwar zahlen, aber ausdrücklich ohne Schuldanerkenntnis.

Da falle ich schon wieder von einem Empörungsherzrasen ins nächste.

Hallo?!
Es gibt kein ich-stand-doch-nur-kurz-im-Halteverbot-wieso-zeigst-du-mich-denn-an-Falschparken, Genauso, wie es ja auch kein ich-habe-der-Omi-doch-nur-zehn-Cent-geklaut-wieso-soll-ich-ein-Dieb-sein! gibt.

Niemand versteht bequefaule Menschen so gut wie ich – aber Halteverbot ist nun einmal Halteverbot. Da stellt man sich nicht hin, wenn man nicht eine eventuelle Anzeige in Kauf zu nehmen bereit ist.

Ganz einfach.

Und damit niemand versehentlich in eine Falle tappt, wird das Halteverbot üblicherweise sogar per Beschilderung  und/oder Beschriftung deutlich angezeigt. Das ist genau so wie mit der berühmten „Radarfalle“ – da ist auch nicht der Beamte schuld, der sie dort errichtet hat.

Aber nein, das „Pinneberger Tageblatt“ stellt in seinem Artikel den hinterhältig um sein Erspartes gebrachten Falschparker auch noch als Opfer dar und bezeichnet den sich gegen Falschparker wehrenden Anwohner als Denunzianten – ein ganz klar negativ behaftetes Wort.

Dabei hast du als Privatmensch gar keine andere Möglichkeit!
Neulich blieb bei uns in der Straße der Abfall einmal unabgeholt, weil – wie ein Anruf bei der zuständigen Stelle herausbrachte – der Wagen der Müllabfuhr aufgrund der falsch geparkten Fahrzeuge an beiden Enden einfach nicht in unsere Straße fahren konnte.
Und nur wenige Tage später hatte unser Nachbar einen Unfall im Haus und musste den Rettungswagen rufen, der aus gleichen Gründen nur unter höchst präzisem Manövrieren und unter Zuhilfenahme zweier zusätzlicher Augenpaare zum Haus des Nachbarn gelangen konnte.

Wir haben uns zu diesem Thema mit unserem Bürgermeister in Verbindung gesetzt und dabei Erfahren, dass die Gemeinde hier leider keinerlei Handhabe hat, weil weder doppelte Verbote (Parkverbotsschilder an Einmündungen, an denen laut Straßenverkehrsordnung das Parken ohnehin verboten ist) noch eine Amtsanmaßung (Einrichtung von Sperrflächen liegt nicht in der Zuständigkeit der Gemeinden) möglich sind.
Der einzige Weg sei die Dokumentation des Park-Vergehens mittels Foto-Handy und die Anzeige, am besten mit einem Zeugen.

… und da kommt die Zeitung in einem vergleichbaren Fall und macht den eigentlich falsch handelnden Menschen in seinem Artikel zum bedauernswerten Opfer …

Kannst du dir alles nicht ausdenken.

.

2 Antworten auf Falschparker denunziert und zur Kasse gebeten

  • Nein, so gehirnverbrannten Journalismus kann man sich wirklich nicht ausdenken …
    Nur als Beispiel: ich wohne in einer Sackgasse im letzten Haus und unter meinem Schlafzimmerfenster ist der Wendekreis und die Einfahrt in die Tiefgarage. Der gesamte Wendekreis ist absolutes Halte- und Parkverbot. Und nun wohne ich seit 21 Jahren hier und ärgere mich den ganzen Sommer lang über all jene, die hier ihre FreundInnen die ganze Nacht nach Hause bringen, mit heruntergekurbelten Fensterscheiben und voll aufgedrehtem Radio noch längere Zeit Konversation machen müssen, um dann mit Vollgas wieder Leine zu ziehen. Anzeigen nützen nichts, denn die Polizei ist nicht dazu da, den ruhenden Verkehr zu regeln und das Ordnungsamt mit seinen Parksheriffs arbeitet nur von 8 bis 18 Uhr und auch nicht am Wochenende.
    Da ist es ja kein Wunder, wenn sich alle über Verkehrsregeln hinwegsetzen. Wobei mir erst unlängst ein professioneller Fahrlehrer predigte, dass das absolute Halte- und Parkverbotszeichen erlaubt, dass man mindestens 10 Minuten dort stehen bleiben darf.
    Wenn dieser Fahrlehrer das so an seine Schüler weitergibt, dann wundert mich gar nichts mehr …

    • … und wenn man dann alle legalen Möglichkeiten nutzt, um sich zu wehren, ist man im Auge der Öffentlichkeit der Böse.

      Stichwort „Knöllchen-Horst“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.