Das also ist Berufsverkehr

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Gestern durfte ich einen Verwandten zwecks einer Untersuchung ins Universitätskrankenhaus Eppendorf nach Hamburg fahren und abends wieder abholen.
Das bedeutete: Morgens im (bzw. kurz nach dem dichtesten) Berufsverkehr hin, abends im Berufsverkehr wieder zurück.

So habe ich für eine 11,9 Kilometer lange Strecke morgens gestoppte 40 Minuten gebraucht (der Rückweg, gegen den Berufsverkehr, dauerte nur eine suuutsche gefahrene knappe Viertelstunde), und abends kam ich sogar auf circa 50 Minuten im Berufsverkehr.

Was bin ich froh, dass ich auf meinem Weg morgens zur Arbeit gar keine und auf dem Rückweg abends nur zwei vergleichsweise kurze Phasen Berufsverkehr erlebe!
Müsste ich täglich in einem so dichten Verkehr in der Stadt stecken, würde ich wohl auf Fahrrad und/oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Vielleicht ist es doch eine gute Idee, den Individualverkehr aus den Städten herauszuhalten und den Personentransport dort auf öffentliche Verkehrsmittel zu beschränken?

Es ist ja nicht nur die Masse der Fahrzeuge – es sind auch die Menschen, die sie lenken.

Immer wieder kann man erleben, dass mit dem Platz-Nehmen hinter dem Lenkrad auf „Höhlenmensch im Krieg“ umgeschaltet wird und es nur noch „Ich! ICH!!!“ heisst.

Da werden Ausfahrten und Straßeneinmündungen dichtgeparkt, weil man nur die Kinder nicht zwei Meter weiter zur Schule laufen lassen will (gesehen morgens aus dem Stau zum Krankenhaus hin).

Da wird in Kreuzungen hineingefahren, obwohl dort gar kein Platz mehr ist und die Gegen- bzw. „Querrichtung“ somit in ihrer Grünphase nicht weiterfahren kann.

Da werden Spuren hin- und hergewechselt, weil es auf der anderen gerade eine kleine Idee schneller zu stehen scheint – scheißegal, dass durch diesen Spurwechsel alle Fahrer hinter einem erst einmal wieder anhalten müssen.

Da wird in einer Parknische auf dem Supermarktparkplatz „mitten in der Wurst“ geparkt, weil man keine Lust hat, sich in die noch offene Nische zu zwängen (zugegeben war diese aufgrund eines arschlochparkenden PKW sehr, sehr eng) und mal eben fünf andere Fahrzeuge von der eigenen rechtzeitigen Rückkehr abhängig gemacht (erlebt, als ich in der Zeit zwischen den beiden „Krankentransporten“ den Einkaufschauffeur geben durfte).

Ich kann mich nur wiederholen: Es wird Zeit, dass die Verkehrsteilnehmer einige Jahre nach Erwerb des Führerscheins auf ihre geistige Eignung zum Führen eines Fahrzeugs hin untersucht werden, gerne auch regelmäßig.

Die Straßen wären wieder so herrlich leer!

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2 Antworten auf Das also ist Berufsverkehr

  • Dazu gibt es ein klares Nein der Autolobby, denn wie soll sie denn ihre Kisten an den Kunden bringen, wenn nicht jeder mindestens ein Auto haben darf? Immerhin liegen wir mittlerweile beim Preis eines Neuwagens schon deutlich unter einem Halbjahresverdienst eines Mindestlohnempfängers, während ich früher drei Jahre intensiv sparen musste. Aber Kredit kostet ja nichts, Leasing soll angeblich ein Allheilmittel sein und Schrotkarren gibt es billiger als Fernseher.
    Der einzige Ausweg scheint mir der japanische Weg zu sein. Du kannst nur ein Auto anmelden, wenn du auch einen eigenen Parkplatz nachweisen kannst, der nicht auf einer öffentlichen Verkehrsfläche liegt. Du darfst auch nur mit dem Auto in die Firma fahren, wenn dir die Firma (oder man selbst) einen Garagenplatz bezahlt. Somit entfallen die zugeparkten Spuren am Strassenrand und der Verkehr könnte flüssiger werden. Und wer im Monat womöglich außer dem Autokredit und der Versicherung zwei Hunderter für Garagenkosten hinlegen muss, der wird sich das im Zweifelsfall überlegen, ob er nicht doch auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt. In Wien wurden nach der letzten Wahl 400.000 Autofahrer zum Umstieg bewegt, weil die Stadt den Preis der Jahreskarten für die öffentlichen Verkehrsmittel auf max. 1 EUR pro Tag gesenkt hat und gleichzeitig die Preise für Parken deutlich gesteigert hat. Man muss sich eben nur trauen gelegentlich unpopulär zu sein …

    • Ich habe schon im Feierabendstau so gesagt: Wenn ich DA täglich durch müsste … ich würde mir ein Fahrrad kaufen.

      (Ein stabiles (ein SEHR stabiles) natürlich).

      Das mit den Parkplätzen ist eine sehr gute Idee.

      In einer beinahe-Nachbargemeinde hier wurden jetzt das Baurecht geändert, so dass nun pro Bemessungseinheit (unterschiedlich nach Wohn-, Industrie-, und Geschäftsgebäude) ein Parkplatz gestellt werden muss.

      Das wird bestimmt spannend in den Fußgängerzonen …

      Grusels,

      Marco

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